Man schrieb das Jahr 1950. Deutschland lag noch in Trümmern, der Koreakrieg trieb die Nahrungsmittelpreise hoch, Armut gehörte zum Alltag. Im Juni wurden (vor allem auf Druck der Hohen Kommissare) die Brotpreise freigegeben – und kletterten sofort. Die SPD lief Sturm, die Gewerkschaften drohten mit Streik. Am 14.Juli kündigte der damalige Ernährungsminister Wilhelm Niklas vor dem Deutschen Bundestag an, zum Ausgleich für die gestiegenen Brotpreise werde ein Mischbrot aus Roggen und Weizen auf den Markt gebracht, das im Preis gebunden bleibe. Das war die Geburtsstunde des so genannten Konsumbrots – der ersten großen Subvention in der Geschichte der Bundesrepublik.

Das Arme-Leute-Brot, wie das Konsumbrot bald hieß, sollte 50 Pfennig je Kilogramm kosten. Die Subvention funktionierte so: In einer ersten Phase erhielten die Getreidemühlen aus dem Bundeshaushalt zwei Millionen Mark als "Vermahlungszuschuss" gegen die Zusage, Roggenmehl zu einem bestimmten Preis an die Bäcker zu verkaufen; diese wiederum verpflichteten sich, das Konsumbrot zum vorgeschriebenen Preis anzubieten.

Schon nach ein paar Monaten wurde das System umgestellt: Die Bäcker mussten nun für alle Mehlsorten den Marktpreis zahlen, erhielten im Gegenzug aber einen staatlichen Zuschuss für jedes gebackene Konsumbrot. Um an die Subvention zu kommen, musste jeder Bäcker täglich Aufzeichnungen über die verkaufte Menge Konsumbrot machen und dann jeden Monat den ihm zustehenden Zuschuss beantragen. Die Anträge gingen an die Innung und von dort an das jeweilige Landesernährungsministerium.

Von Juli 1950 bis zum Februar 1953 gab es das verbilligte Konsumbrot zu kaufen, in West-Berlin sogar bis zum März 1958. Die vermeintlich soziale Aktion kostete den Bundesfinanzminister insgesamt 446 Millionen Mark, den BerlinerSenat zusätzlich 94 Millionen. Beide hätten das Geld besser gespart: Das subventionierte Konsumbrot machte am Ende der Aktion ein Drittel des gesamten Brotverbrauchs in der Bundesrepublik aus, die staatlich geförderten Brote wurden also längst nicht nur von den Armen gekauft.

Für Günter Schmölders, den Altmeister der deutschen Finanzwissenschaft, war das Konsumbrot daher ein Paradebeispiel für eine unsinnige Subvention, weil es "vorwiegend in den Haushalten der besser Verdienenden landete".

Schon damals verleitete die staatliche Fürsorge zum Subventionsbetrug. Die Bäcker fälschten die Produktionszahlen zu ihren Gunsten. Als das ruchbar wurde, schickte die Bundesregierung für viel Geld Kontrolleure in die Backstuben und forderte am Ende 37 Millionen Mark zurück. Die Sache eilte aber nicht, in Hessen zum Beispiel durften die Bäcker mit der Rückzahlung bis ins Jahr 1980 warten.

Klaus-Peter Schmid