DIE ZEIT: Sie sind bekannt als langjähriger Sprecher der Hilfsorganisation Cap Anamur, jetzt haben Sie die Grünhelme gegründet. Was muss man sich darunter vorstellen?

Rupert Neudeck: Junge Christen und Muslime aus Deutschland sollen gemeinsam aufbauen, was in Kriegen zerstört wurde. Häuser, Schulen, Bewässerungskanäle. Im Irak, in Afghanistan oder in Bosnien. Die Einsätze dauern drei Monate. Vorbild ist die Peace-Corps-Idee von John F. Kennedy.

ZEIT: Wie kam es zu dem Namen "Grünhelme"?

Neudeck: Mit den Blauhelmen der UN verbinden die Menschen etwas Positives, und Grün, das ist die Farbe der Hoffnung, der Ökologie und die Farbe der Muslime.

ZEIT: Warum ist Ihnen die Zusammenarbeit von Muslimen und Christen so wichtig?

Neudeck: Ich habe vor Jahren das Buch Kampf der Kulturen von Samuel Huntington gelesen und war betroffen darüber, wie schicksalhaft wir diese Kluft zwischen den Religionen hinzunehmen schienen. Auf der akademischen Ebene tut sich inzwischen zwar sehr viel. Es gibt Vorlesungen, Seminare, Diskussionen. Es mangelt aber an "handfester" Zusammenarbeit, an gemeinsamen Taten, um Vorurteile abzubauen. Und dafür bietet sich humanitäre Hilfe sehr gut an. Im Zentralrat der Muslime habe ich einen geeigneten Partner für die Gründung der Grünhelme gefunden.

ZEIT: Wo beginnen Sie mit Ihrer Arbeit?