Allein auf sich gestellt würde Polen also im Mai kommenden Jahres nicht den glanzvollen Einzug in die EU halten können, den es seiner Größe und seinem Anspruch schuldet. Geschultert von Amerika jedoch sieht sich die Führung auf gleicher Augenhöhe und politisch konkurrenzfähig mit den großen Alt-Unternehmern der EU. So hat nicht nur die Geschichte, sondern auch die Schwäche des Landes zur freundlichen Übernahme der Polen AG durch die USA beigetragen. Für Paris und Berlin ist es eher eine feindliche Übernahme, weil Frankreich und Deutschland argwöhnen, dass dieses Konsortium den Amerikanern zur weiteren Flurbereinigung in Europa dienen soll. Die polnische Tochter, die sich im "Glanz der von den USA listig geschenkten Weltmachtrolle" (Adam Krzemiºski) sonnt, bestreitet das vehement. Sie bietet sich als die optimale transatlantische Vermittlungsagentur zwischen den USA und Europa an.

Wie haben die Umstände der Übernahme ausgesehen? Wirtschaftlich hat Polens Ankauf von 48 Lockheed-F-16-Jägern für 3,5 Milliarden Dollar eine Hauptrolle gespielt. Dem "Jahrhundertvertrag" (Verteidigungsminister Jerzy Smajdzinski) half Präsident Bush mit Dauertelefonaten und zwei Staatsempfängen für Präsident Kwa™niewski ("Bushs Vision ist auch meine") nach. Vom rein militärtechnischen Standpunkt war die Entscheidung gerechtfertigt und die Wut der unterlegenen französischen Mirage-Konkurrenz unbegründet. Die rationale Frage, ob es nicht dringendere Aufgaben gegeben hätte, wird in Polen von kaum jemandem verstanden. Diesem Land, das sich so oft übermächtigen Feinden entgegenwerfen musste, gibt es ein noch neues, existenzielles Sicherheitsgefühl, dass es seine Grenzen von 2006 an mit dem modernsten Militärgerät der Erde verteidigen kann. Entscheidend jedoch sind die Gegenabkommen im Zusammenhang mit dem Kauf. Sie binden, wie Wissenschaftsminister Micha¬ Kleiber in Brüssel eingeräumt hat, vielen polnischen Unternehmen über Jahre die Hände für gemeinsame Projekte mit der europäischen Rüstungsindustrie.

Nur einmal rief Miller nicht an

Was sind die politischen Ziele der Partner? Polen wünscht eine starke Präsenz des amerikanischen Mutterhauses in Europa, weil es sich Sicherheit nur unter dem Schirm der USA vorstellen kann. Die EU soll dem Land den notwendigen Modernisierungsschub geben. Der amerikanische Partner in Washington macht jedoch kein Hehl daraus, dass er Europa weiter spalten will. Zugleich wird Polen als Generalbeauftragter für eine der Besatzungszonen im Irak zusammen mit anderen Unterlieferanten von Truppenteilen auf die künftigen Aufgaben für Amerikas globale Sicherheitsstrategie vorbereitet. Es ist deshalb noch nicht sicher, ob der von Übersee geborgte Glanz die amerikanische Tochter zu einer der ersten Adressen in Europa machen wird.

Wie hat die polnische Führung bei ihren engsten Fürsprechern in der EU für das Unternehmen geworben? Die Vertrauensbasis war vorhanden. Vor dem entscheidenden EU-Gipfel in Kopenhagen im vergangenen Dezember hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder dem verzweifelten Ministerpräsidenten Miller ("Was soll ich denn mit den Arbeitslosen machen?") unter die Arme gegriffen, ihn privat nach Hannover eingeladen und schließlich auch Polens Widersacher in der EU – Großbritannien, Spanien, Portugal – zu ergänzenden Budgethilfen erweicht. Unentwegt hing Miller an Schröders Telefon, mal wegen Milchquoten, mal wegen Beihilfen für die Bauern. Nur einmal vergaß er, zum Hörer zu greifen. Das war an jenem Tag, als er mit Großbritannien, Spanien, Portugal und östlichen Nachbarn den "Brief der Acht" zur Unterstützung der US-Kriegspläne im Irak unterzeichnete.

Auch Präsident Kwa™niewski redete mit gespaltener Zunge. Für die polnische Öffentlichkeit kreidete er es seinem Exgenossen und heutigen Intimfeind Miller als schweren Fehler an, Deutsche und Franzosen nicht vor Unterzeichnung des Briefes konsultiert zu haben. Dem Spiegel erklärte er dagegen: "Wir konnten doch wohl davon ausgehen, dass Tony Blair längst mit dem deutschen Kanzler gesprochen hatte." Dabei wusste der polnische Präsident, dass der auf Europas Spaltung zielende Brief selbst vor dem griechischen Ratspräsidenten der EU und auch vor Europas "Außenminister" Javier Solana bis zur Veröffentlichung sorgfältig verborgen wurde. Drastisch begründete später ein britischer Beamter das Schweigekartell: "Sie pinkelten doch in hohem Bogen auf Deutschland und Frankreich, und niemand in den acht Hauptstädten vergoss darüber eine Träne."

Das Lied vom guten Krieg