Vor zwei Wochen beschrieb ZEIT-Redakteur Martin Spiewak in dem Artikel „Billigstudium made in Germany“ die Probleme deutscher Hochschulen mit der stark wachsenden Zahl ausländischer Studierender. Darauf antwortet in dieser Woche Johannes Glembek, Geschäftsführer des Bundesverbands ausländischer Studierender. In dem Verband haben sich die Ausländerreferate von 13 Allgemeinen Studentenvertretungen zusammengeschlossen.

Endlich werden das Thema Ausländerstudium und seine Probleme an den Hochschulen und in der Gesellschaft öffentlich diskutiert. Es stimmt, die Hochschulen, vor allem die Studierendensekretariate, Auslandsämter, Sprachzentren und Asten, sind überfordert, und die unsinnige und darüber hinaus teure Anwerbepolitik der Regierung und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hat zu Problemen geführt, die heute zulasten der Hochschulen, aber vor allem zulasten der Betroffenen gehen. Wer in diesem Bereich arbeitet, kennt traurige, ja dramatische Einzelschicksale.

Eine unwillige Betreuung durch sich belästigt fühlende Professoren; langes Warten auf Zulassungen; fehlende Wohnungen; immer weniger Tutorien und Sprachkurse; offene und versteckte Diskriminierung – das alles ist einer Politik zu verdanken, die sich nicht im ausreichenden Maß um die Bedürfnisse der ausländischen Studierenden kümmert. Es herrscht eine Konzeptlosigkeit im Ausländerstudium, die durch Aktionismus und kurzfristiges Denken aller Beteiligten geprägt ist.

Zum Beispiel darf sich niemand wundern, dass heute so viele Studenten aus China nach Deutschland strömen. Die Chinesen sind nun einmal das größte Volk dieser Erde. Zudem schlagen sich die neuen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen – die bei uns immer wieder begrüßt werden – auf die Bewerberzahlen nieder. Dass chinesische Studierende, abgesondert von deutschen Kommilitonen, über ihrem "selbst gekochten Reis" in der Mensa sitzen, hat nicht unbedingt etwas mit Abgrenzung zu tun, sondern eher mit der Unfähigkeit der Universität, sich beim Essen auf ausländische Studierende einzustellen. Auch beim Mensa-Essen ist Weltoffenheit gefragt und nicht nur Jägerschnitzel mit Pommes.

Dass Deutschland für ausländische Studenten oft die zweite Wahl ist, verwundert daher nicht. Im Vergleich zu den USA oder Großbritannien, wo Tutoren und Professoren für ausländische Studierende jederzeit zur Verfügung stehen, ist Deutschland eine Betreuungswüste.

Hinzu kommt das Problem mit der Sprache. Im Ausland wird es immer schwieriger, Deutsch zu lernen, da Goethe-Institute schließen und Lektorenstellen im Ausland eingespart werden. Gleichzeitig werden an den deutschen Hochschulen studienvorbereitende Sprachkurse reduziert und die sprachlichen Anforderungen erhöht. Kein Wunder, dass ausländische Studierende auch nach Jahren noch Probleme mit der deutschen Sprache haben.