Der deutsche Berg ist, spätestens seit der deutschen Romantik, vor allem ein Gefühl. Nach innen geht der geheimnisvolle Weg, ins Bergwerk der Seele.

Ein Gefühl war es auch, das am Anfang des Werks der Malerin Sarah Schumann stand, "die emotionale Substanz", die sich ein Kleid sucht aus Ölfarbe, Eitempera oder Kunststoff. Was hier aussieht wie die Eisberge des Herzens, sind die Kreidefelsen von Rügen, links mit einem Graffito der Roten Armee, rechts mit Schatten, beide aus dem Jahr 1995. Sie gehören in einen Zyklus sterbensschöner ostdeutscher Landschaftsbilder, grandioser Todeslandschaften, von denen Kathrin Mosler schreibt: "Wenn es eine Erinnerung der Natur an sich selbst gäbe, hier hätte sie ihr Bild gefunden." Der opulente Band bietet einen Überblick über das Werk Sarah Schumanns, angefangen von den Max-Ernsthaften Collagen der fünfziger Jahre, über den Engelszyklus nach Gedichten von Rafael Alberti, die Zyklen über das Oderbruch und die Pyramiden in Branitz, die Hunde- und die Madonnenbilder, die Porträts und - zerfetzt und traumverloren - die Buchumschläge für die deutsche Werkausgabe der Seelenschwester Virginia Woolf.

Kathrin Mosler (Hrsg.): Sarah Schumann

Werke 1958-2002 - mit Texten von Silvia Bovenschen, Alexander Garca Düttmann, Peter Gorsen, Klaus Reichert, Carl Vogel, Gisela von Wysocki, Nicolai'sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 2003 - 296 S., 49,90 e