Die Rolle, die Bayern München in der Bundesliga verkörpert, spielt die Westdeutsche Landesbank (WestLB) im öffentlichrechtlichen Bankensektor: Die Staatsbank von Nordrhein-Westfalen agiert schon seit Jahren international in einer anderen Liga als ihre Pendants aus Baden-Württemberg, Hessen oder Hamburg - und gilt als mächtig, arrogant und manchmal sogar größenwahnsinnig, ganz wie die Bayern eben.

Das war auch nicht anders, als Jürgen Sengera vor zwei Jahren antrat, um die WestLB neu zu erfinden. Wie können die Landesbanken überleben, wenn auf Druck der EU ab 2005 die Staatsgarantie für sie entfällt und sich ihre bislang konkurrenzlos günstige Refinanzierung deutlich verteuert? Diese Gretchenfrage jeder Landesbank beantwortete der neue WestLB-Chef mit einem kühnen Konzept.

Die WestLB wurde in zwei Teile gespalten: eine große WestLB AG, in der das gesamte Wettbewerbsgeschäft gebündelt wurde, und eine kleine Landesbank NRW, der das Fördergeschäft blieb und die bis auf Weiteres die Mutter der AG ist.

Das Radikale an dem Plan ist die Positionierung der AG als reine Geschäfts- und Investmentbank, frei von politischem oder regionalem Stallgeruch. Bis 2007 soll die AG "kapitalmarktfähig" werden und damit offen für Kooperationen, Fusionen oder einen Börsengang. Sengera traut seiner Bank sogar zu, im harten Londoner Wettbewerb mit den großen Investmentbanken wie Morgan Stanley oder Goldman Sachs mithalten zu können, ein "ehrgeiziger Plan", wie Stefan Best von der Rating-Agentur Standards & Poor's meint.

In der Tat: Warum soll ausgerechnet der WestLB gelingen, woran Dresdner Bank, HypoVereinsbank und Commerzbank gescheitert sind? Doch die Flucht nach vorn des smarten, manchmal etwas unterkühlt wirkenden und bisweilen undiplomatischen Sengera war vielleicht auch der Mut des Verzweifelten. Wenn die Staatsgarantie ausläuft, steigen die Refinanzierungskosten deutlich.

Damit rechnen sich dann aber viele Geschäfte nicht mehr, mit denen die Bank heute noch Geld verdient.

Unverändertes Kreditvolumen vorausgesetzt, müsste die WestLB ab 2005 zwischen 250 und 300 Millionen Euro mehr an ihre Gläubiger zahlen, sprich: mehr verdienen. Um trotzdem rentabel zu sein, setzt Sengera auf eine Doppelstrategie: Kostenreduzierung auf der einen und höheres Risiko auf der anderen Seite. Während Erfolge beim Kostensparen unübersehbar sind, "steht dem höheren Risikoprofil noch keine höhere Rendite gegenüber", kritisiert Olivia Perney, Kreditanalystin bei der Rating-Agentur Fitch.