Im Gegenteil: Seit sechs Wochen hält ein Risikogeschäft in London, das die WestLB 430 Millionen Euro an Abschreibungen kostet, die Düsseldorfer in Atem.

430 Millionen Euro, die das Modell WestLB über den Haufen zu werfen drohen.

430 Millionen Euro, die sogar seinen Erfinder Sengera den Kopf kosten können.

Verantwortlich für den Verlust: Investmentbankerin Robin Saunders. 40 Jahre alt, weiblich, blond, attraktiv, clever, steinreich und jedermanns Liebling - jedenfalls noch bis vor kurzem. Sengera schätzte die Amerikanerin, weil ihr Team einen erheblichen Teil der Gewinne für den Bereich "strukturierte Finanzierung" beisteuerte, gut zwei Drittel des Gesamtgewinns. Und die Presse hätschelte sie, weil sie eine gut aussehende, schillernde Frau ist: Angeblich ließ sie sich beispielsweise eine drei Tage dauernde Geburtstagsparty in der Toskana 600 000 Euro kosten.

Ihr Aufstieg begann 1998, als Saunders zusammen mit einem 30-köpfigen Team die Deutsche Bank verließ, um den Principal-Finance-Einheit der WestLB in London zu führen. Innerhalb kürzester Zeit verschaffte sie sich und ihrem Arbeitgeber international einen excellenten Ruf - allerdings mit hohem Einsatz, wie sich jetzt zeigt. Für Bernie Ecclestone, den Formel-1-Guru, arrangierte sie die Emission von Eurobonds im Wert von 1,4 Milliarden Dollar, dem Einzelhändler Philip Green finanzierte sie die Übernahme der Warenhauskette BhS, und dem britischen Fußballverband gab sie 426 Millionen Pfund, um das Londoner Wembley Stadium neu zu bauen.

Doch seit im Mai die Finanzierung der Fusion der beiden Fernsehverleiher Thorn UK Rentals und Granada Home Technology zum neuen Unternehmen Boxclever Abschreibungen über 430 Millionen Euro notwendig machte, wird die Risikofreudigkeit der Texanerin neuerdings kritisch hinterfragt. Für die Kinokette Odeon soll sie zu viel bezahlt haben, und auch in den Versorger Mid Kent Water habe sie zu viel Geld gepumpt, heißt es plötzlich in der City.

Auch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BAFin) ist mittlerweile aufgeschreckt: Sie durchleuchtet zurzeit die Geschäftspraktiken der Londoner WestLB und die Kontrollmechanismen der Bank. Die smarte Bankerin hatte offenbar so gut wie freie Hand bei ihren Deals. Egal ob Eigenkapital, Fremdkapital oder Überbrückungsfinanzierung dafür nötig waren - für Saunders kein Problem.