Für die russische Raumstation Mir kommt die gute Idee leider zu spät. Aber noch segeln über 8000 Stück Weltraumschrott durch den Orbit. Sie alle könnten in den Genuss einer erstaunlichen Imagepolitur kommen: Denn die australische Archäologin Alice Gorman schlägt vor, den Müll in die Unesco-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufzunehmen. Was in einem halben Jahrhundert Raumfahrt mit Raketen und Shuttles in die Umlaufbahn spediert wurde, sei von enormer kultureller Wichtigkeit.

Für die Aufnahme der Raumutensilien spricht deren Bekanntheitsgrad. Wem sind schon die jüngst als Weltkulturerbe berücksichtigte Innenstadt von Paramaribo, der Waldfriedhof Skogskyrkogården oder die Stiftskirche Sankt Servatius ein Begriff? Die Satelliten dagegen, die über unseren Köpfen den Himmel kreuzen, werden von jedermann genutzt. Etwa das Hubble-Teleskop: Kein Bau auf Erden hat unser Bild vom Universum in solchem Maß erneuert. Soll es dereinst einfach zum alten Eisen zählen?

Bislang stehen auf der Unesco-Liste 730 irdische Stätten. Davon sind 23 Kultur- oder Naturdenkmäler völkerverbindend: Sie überlappen Landesgrenzen und stehen damit in der Verantwortung mehrerer Staaten. Im Zeitalter von Satellitenfernsehen und Internet wäre der Weltraumschrott das erste Weltkulturdenkmal, das allen gehört.

Die Zeit, ausgemusterte Satelliten unter Schutz zu stellen, drängt jedoch.

Die Lasertechnik macht Fortschritte und droht am Himmel sauber zu machen. Dem großen Putz könnte zum Beispiel Vanguard 1 zum Opfer fallen. Wer möchte die Bedeutung des kaum fußballgroßen Satelliten infrage stellen? 1958 als einer der Ersten in die Schwerelosigkeit befördert, umkreist er heute als ältestes menschgemachtes Objekt die Erde. Als Denkmal geschützt, könnte der Schrott-Methusalem noch 600 Jahre lang friedlich Runden drehen. Seine 174 000. hat er gerade hinter sich gebracht. Zwar ist Vanguard 1 längst verstummt, die Batterien sind erlahmt. Aber eine riesige Fangemeinde verfolgt noch immer mit Fernrohren seinen stillen Gang.

Unrat verdient keine Ehre, mag der eine oder andere schnöden. Doch die Unesco-Jury adelt seit 30 Jahren Objekte, die längst den Geist aufgegeben haben: Gotteshäuser, entseelte Stadtkerne, defensives Gemäuer. Überreste hinterlassen nun mal die deutlichsten Spuren der Menschheit. Wie auf Erden, so im Himmel.