Es war das letzte große Jahr des Internet-Booms, vor Capri ging die Sonne unter, und der zweitreichste Mann der Welt hatte gerade den drittreichsten Mann der Welt gesichtet. Larry Ellison, Chef der kalifornischen Softwarefirma Oracle und begeisterter Rennsegler, konnte den Microsoft-Mitgründer Paul Allen ohnehin nie richtig leiden. Volle Kraft voraus schoss er auf das Boot seines Rivalen zu, sauste haarscharf an dem verdutzten Allen vorbei, dessen Gäste sich an der Reling festhalten mussten. "Ein pubertärer Streich", sagte Ellison später der Washington Post, "ich kann ihn wärmstens zur Nachahmung empfehlen."

So kennen sie im Silicon Valley ihren Larry Ellison: Der 59-Jährige fühlt sich nicht nur auf dem Wasser wohl, sondern auch in der Luft – als Hobbypilot eines italienischen Kampfjets. Von einem Herrenmagazin wurde er zum bestgekleideten Unternehmer gekürt. Außerdem hat er sich die Nase und offenbar auch die Augenlider chirurgisch verschönern lassen und kommt regelmäßig und ohne Entschuldigung zu spät. Der Branchenfolklore zufolge ließ er sogar den philippinischen Präsidenten einmal eine Stunde lang warten.

Seine Firma Oracle hatte Ellison 1977 gemeinsam mit zwei Kollegen und einem Startkapital von 1200 Dollar gegründet. Die drei hatten ein offen zugängliches Forschungspapier von IBM über neuartige Datenbanken entdeckt und die Entwürfe umgesetzt, bevor IBM das selbst schaffte. Es war die späte Revanche eines Studienabbrechers, dem sein Vater immer gesagt hatte, er werde es im Leben zu nichts bringen.

Oder blufft der Milliardär?

Inzwischen gehört Oracle zu den größten Softwarehäusern der Welt, hatte zuletzt einen Umsatz von 9,7 Milliarden Dollar und beschäftigte 42000 Mitarbeiter. Mit den Produkten des Unternehmens kommt man alltäglich in Berührung, ohne den Urheber zu kennen: Oracle-Programme stecken hinter Gehaltsanweisungen von Unternehmen, steuern Geldautomaten, organisieren den Kundendienst in Konzernen und betreiben die Web-Seiten der meisten Online-Shops.

Nach der Talfahrt im Silicon Valley fanden es etliche Brancheninsider fast schon erfrischend, dass Ellison jetzt wieder zur Hochform aufläuft. Mit einem Paukenschlag bot er 5,1 Milliarden Dollar für seinen Konkurrenten PeopleSoft – ein feindliches Übernahme-Angebot mit der offenen Absicht, Peoplesofts Produkte einfach vom Markt zu nehmen. Was daraus wird, steht bislang in den Sternen: Sicher müsste Ellison beim Kaufpreis noch einmal nachlegen; vielleicht würde ihm das Kartellamt einen Strich durch die Rechnung machen, und womöglich war die ganze Sache nur ein großer Bluff.

Doch die Branche hat er wachgerüttelt. PeopleSofts eigenes Übernahme-Angebot für die Softwarefirma J. D. Edwards scheint nun auf der Kippe zu stehen, mit Ellisons Attacke sind beide Oracle-Widersacher schwer angeschlagen. Sowohl PeopleSoft als auch J. D. Edwards haben Klagen gegen Ellison eingereicht.

"Teuflisch" nannte PeopleSoft-Chef Craig Conway das Übernahme-Angebot und attestierte Ellison "klassisches schlechtes Benehmen". Er sei ein "Soziopath" und "grausam". "Kindisch", schoss Ellison zurück, konnte sich in einem Interview das Lachen nicht verkneifen und fragte im Spaß noch mal nach: "Glauben Sie, mein Angebot war zu hoch?"