Die Idee, eine Haftpflichtversicherung für Manager anzubieten, stammt ursprünglich aus Deutschland. Findige Versicherungsunternehmer entwarfen das Konzept zu einer Haftpflichtversicherung für Aufsichtsräte, als an der Wende zum 20. Jahrhundert ein Aktien-, GmbH- und Genossenschaftsgesetz erlassen wurde. Schon damals gab es offenbar die Sorge, die sich daraus ergebenden neuen gesetzlichen Haftungsbestimmungen könnten die Herren Chefs und Generaldirektoren persönlich ruinieren. Zu einer Einführung der Versicherung kam es damals in Deutschland aber dann doch nicht. In der Diskussion wurde sogar von einer "unmoralischen Versicherung" gesprochen. Die D&O-Versicherungen heutigen Typs entstanden in den USA nach dem Börsencrash 1929, als dort als Reaktion darauf der Schutz der Anleger per Gesetz verschärft wurde.

Erst in den neunziger Jahren kam das Geschäft jedoch so richtig in Schwung. Angesichts immer häufigerer Versuche von Verbrauchern, Aktionären und auch von Unternehmen, wirtschaftliche Führungskräfte für Vermögensschäden in Regress zu nehmen, entwickelte sich die Managerhaftpflichtversicherung zum Must beim Werben um Führungskräfte. In Deutschland werden die D&O-Versicherungen inzwischen von rund 20 Versicherern angeboten, darunter den amerikanischen Gesellschaften Chubb und AIG Europe, aber auch von deutschen Versicherungsgesellschaften wie der Allianz, Gerling und der R+V-Versicherung.

D&O-Versicherungen versichern grundsätzlich keine Einzelpersonen, sondern die Führungscrew des Unternehmens insgesamt. Sie springen nur für Vermögensschäden ein, die wirtschaftliche Führungskräfte unter Verstoß gegen gesetzliche Pflichten verursacht haben. Gemeint sind Bestimmungen des Aktien- und GmbH-Gesetzes, aber auch der Sozialgesetzgebung.

Hat eine Unternehmensleitung etwa die Kerngeschäfte des Unternehmens vernachlässigt, Betriebsgeheimnisse ausgeplaudert, die Bücher nicht ordnungsgemäß geführt oder die Zustimmungspflichtigkeit bestimmter Geschäfte durch Aufsichtsrat oder Hauptversammlung missachtet, kann sie zum Schadenersatz herangezogen werden. Gleiches gilt für Aufsichtsräte, aber auch zum Beispiel für Abteilungsleiter, die ihre Pflichten vernachlässigt haben. Dabei sehen sowohl das GmbH- als auch das Aktiengesetz eine Umkehr der Beweislast vor: Die Manager müssen daher nachweisen, dass sie ihre Pflichten erfüllt haben. Ausgeschlossen ist in den Policen übrigens der Schadenersatz für Asbest- und Umweltschäden.

Die Haftpflichtversicherung für Vorstände, Geschäftsführer und andere Führungskräfte deckt auch die so genannten Abwehrkosten, beispielsweise Anwaltsgebühren, ab – selbst bei fahrlässigem und zum Teil sogar grob fahrlässigem Handeln des Versicherten. Gerichtlich verhängte Geldstrafen müssen die Manager allerdings aus eigener Tasche zahlen. Wird ihnen zudem Vorsatz nachgewiesen, dann müssen sie auch die Auslagen der Versicherung für Anwälte auf Heller und Pfennig zurückzahlen.

Eva-Maria Thoms