Es ist der Traum jedes Anlegers: Im Vorhinein zu wissen, wie sich die Aktien eines Börsenneulings entwickeln werden. Ein Forschungsteam der Universität von Oregon hat dafür eine ungewöhnliche Methode entwickelt: Die Forscher untersuchten 216 Unternehmen, die sich anschickten, an die Börse zu gehen. Dabei fragten sie nicht nach Absatzmärkten, Bilanzen und Kostenstrukturen. Stattdessen sie fragten nach der Höhe der Haftpflichtversichung für Manager. Das Ergebnis der Studie: Je mehr Geld die Unternehmen ausgaben, um ihre Manager gegen Haftungsansprüche zu versichern, desto schlechter entwickelte sich anschließend der Aktienkurs. Die einfache Frage nach den Versicherungsprämien lieferte deutlich treffendere Prognosen als das klassische Instrumentarium der professionellen Analysten. Eine Antwort auf die naheliegende Frage, ob eine üppige Versicherung für Manager eine schlampige Unternehmensführung nach sich zieht, lieferte die Uni-Studie allerdings leider nicht.

Über Versicherungen für ihre Führungskräfte geben die Unternehmen nur ungern Auskunft. Dabei legt die Konstruktion der so genannten D&O-Versicherung (Directors’ and Officers’ Liability Insurance) Transparenz eigentlich nahe. Denn es ist eine Versicherung auf fremde Rechnung. Versichert sind die Manager. Die Rechnung aber begleicht das Unternehmen. Die Entscheidung, ob und in welcher Höhe eine solche Versicherung abgeschlossen wird, treffen allerdings nur die Nutznießer, also die Führungskräfte selbst. Die eigentlichen Eigner der Aktiengesellschaften, die Aktionäre, werden nicht gefragt, ja, nicht einmal über die teuren Policen informiert.

Konstruktion mit Geschmäckle

In Zeiten, in denen die Selbstbedienungsmentalität von Vorständen und die Höhe ihrer Gehälter diskutiert wird, haftet der Konstruktion zweifellos ein Geschmäckle an. Denn die Prämien sind keineswegs aus der Portokasse bezahlbar. Mittlere Unternehmen zahlen für Deckungssummen von 5 bis 15 Millionen Euro jährliche Prämien zwischen 20000 und 100000 Euro. Bei Großunternehmen kann die Jahresprämie für eine Deckungssumme von 300 Millionen Euro schnell 5 Millionen Euro erreichen.

Besonders teuer wird es, wenn Vertreter krisenanfälliger Branchen wie etwa Finanzdienstleister Versicherungsschutz wollen. So manches Unternehmen des früheren Neuen Marktes soll sogar Schwierigkeiten haben, überhaupt noch einen Versicherungsvertrag zu bezahlbaren Konditionen zu finden. Ganz vorsichtig sind die Versicherer auch bei Kunden, die Geschäfte in den USA betreiben oder dort gar Tochterunternehmen besitzen, da in den Staaten die Zahl der Schadenersatzklagen in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen ist. So manche Deckungssumme einer D&O-Police wird allein schon durch die happigen amerikanischen Anwaltskosten aufgefressen.

Was die Vorstände davor zurückschrecken lässt, die Versicherungen mit den Aktionären zu besprechen, ist nicht einmal in erster Linie ein möglicher Einspruch wegen der hohen Kosten. Es ist der Versicherungszweck, den man nicht unbedingt auf Hauptversammlungen diskutieren möchte. "Da will kein Vorstand erklären, dass man eine Versicherung braucht, weil der Vorstand ja einmal Murks machen könnte", sagt der Münchner Betriebswirtschaftsprofessor Manuel Theisen, "zumal das Thema bei jeder Prämienerhöhung wieder auf den Tisch käme."

Nach Schätzungen aus der Branche hat inzwischen so gut wie jedes Dax-Unternehmen eine D&O-Versicherung abgeschlossen. Hierzulande erst seit gut fünf Jahren auf dem Markt, entwickelt die Police sich zu einem Standardprodukt. Die Manager-Haftpflicht springt ein, wenn Manager persönlich haften müssen, weil sie ihre gesetzlichen Pflichten nicht erfüllt und dadurch einen Vermögensschaden verursacht haben. Der bisher prominenteste Schadenfall war die Sache Holzmann gegen Holzmann. Die Versicherung AIG Europe zahlte im Jahr 2001 im Rahmen eines Vergleichs rund 19 Millionen Euro an das Unternehmen: für Schäden, die dessen ehemalige Vorstände angerichtet hatten.

Holzmann als Präzendenzfall