Verzeihung vielmals, liebe Briten. Es tut uns wirklich leid, Sie zu demaskieren – besonders, da es um Ihre ureigenste Marotte geht, die unzähligen Variationen des excuse me, sorry oder pardon me. Typisch britisch, so viel Höflichkeit? Von wegen. Eure Exkulpationsmasche dient meist nur als Vorwand zur sozialen Kontrolle. Enttarnt hat dies Mats Deutschmann, Anglist aus Umeå in Schweden, der 3100 Gesprächssituationen analysierte. Sein Ergebnis: Ständig heißt es zwischen London, Belfast und Edinburgh sorry oder pardon me , aber nur jedes dritte Mal ist damit auch "tut mir leid" gemeint. Meist, so fand der Forscher heraus, folgen den wohlklingenden Entschuldigungsfloskeln umgehend Widerreden, eitle Selbstdarstellungen oder persönliche Attacken.

Höflichkeit als mächtige Sozialwaffe: Was sonst nicht die feine englische Art wäre, hüllt der Gentleman in einen Sorry- Satz und hält so seine Mitmenschen in Schach. Dazu passt Deutschmanns Befund, dass sich Mächtige bei Machtlosen – Eltern bei Kindern, Chefs bei Angestellten, Ärzte bei Patienten – viel häufiger entschuldigen als umgekehrt. Vermutlich sprachen damals auch die grimmigen Kapuzenträger, die im Tower ihren blutigen Dienst taten: "I’m sorry to execute you, Sir!"

T’schuldigung, aber da nun die Deutschen Ihre excuse me- Taktik kennen, werden sie Ihnen, liebe Briten, bald entgegensäuseln Pardon me, I’m so sorry – während Sie Ihnen am Pool die letzte Sonnenliege wegschnappen.

Stefan Schmitt