Integer, fleißig, diszipliniert, höflich, gewissenhaft - die Adjektive, mit denen Gregory Peck gern bezeichnet wurde, verweisen auf einen sympathischen, aber nicht eben aufregenden Menschen. Aber vielleicht lag in Pecks Zurückhaltung und "drahtiger Eindimensionalität" (Peter W. Jansen) seine eigentliche Qualität. Als er 1962 in Wer die Nachtigall stört einen Witwer spielte, der seine Kinder in einer vom Rassenhass vergifteten Kleinstadt zu Toleranz und Menschlichkeit erziehen will, strahlte er nichts klassisch Heldenhaftes aus. Es kann kein Zufall sein, dass er, der lange als schönster Mann Hollywoods galt, für diesen Film seinen Oscar bekam, in dem er die amerikanischen Bürgertugenden wunderbar geradlinig verkörperte. Mut ist bei Pecks Figuren nämlich keine primitiv auftrumpfende Charaktereigenschaft, sondern die fortwährende Überwindung von Ängsten und Selbstzweifeln. Deshalb konnten wir Audrey Hepburn immer so gut verstehen, die in Ein Herz und eine Krone friedlich und vertrauensvoll an seiner Schulter einschläft. In der Nacht zum vergangenen Donnerstag starb Gregory Peck in Los Angeles im Alter von 87 Jahren.