Von Mumins zu schwärmen, das verbindet Erwachsene mit andern Kindern von damals und mit Kindern und Kennern von heute. Und doch, Achtung, alles ist anders. In dem Fall besser. Die Mumin-Bücher erschienen ab 1954 auf Deutsch, in verwirrender Reihenfolge und in einer kindertümelnden Übertragung. Die Figurennamen haben sich aber per Puppenkiste-TV so eingebürgert, dass sich Birgitta Kicherer veranlasst sah, in den Neuübersetzungen weiterhin von Hatifnatten, Schnupferichen und so weiter zu reden. Der Einsatz für Originaltreue zeigt sich aber schon darin, dass die deutsche Wiederentdeckung mit einer früher nicht zugänglichen Geschichte begann, mit Mumins lange Reise (Arena Verlag, Würzburg 1992, Neuübersetzungen ab 2000).

Die ungekürzte Ur-Episode eröffnet auch die Hörbuchausgabe, gelesen von Barbara Auer. Offenkundig macht es ihr Vergnügen, die Marabu-Passagen staksig vornehm zu sprechen. Sonst aber moduliert die Schauspielerin die Rollenstimmen eher zurückhaltend und macht so die freundliche Ernsthaftigkeit des Textes hörbar. Bei aller Fantastik, Drolligkeit der Trolle und Betonung ihres Glücks, hat Janson nämlich einen psychologisch modernen Kosmos geschaffen: Es geht da um individuelle Freiheit, um Abgrenzung und Respekt in einer Patchwork-Gesellschaft. Ob das der Grund ist, dass einstige Mumin-Fans auch als Erwachsene die Klassiker nicht nur nostalgisch lieben? Etwa der Konzertsänger Christian Panse, der sein Schwärmen verwandelt hat in hilfreichen Informationsfleiß: www.zepe.de. Ein Lesetipp für Erwachsene, wenn Kinder - zu Recht - immer wieder Mumins lange Reise hören.

Tove Janson: Mumins lange Reise

Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer - gelesen von Barbara Auer - Hörverlag, München 2003 - 1 CD, 48 Min., 9,99 e (ab 5 Jahren) ISBN 3-89940-094-1