"Wir spazierten durch Radebeul und entdeckten ein verwunschenes Dornröschenschloss", erinnert sich Jutta Hanson. Das Gebäude war heruntergekommen, zum Abriss freigegeben, der Terrassengarten vermüllt, der Skulpturenschmuck geräubert, im Brunnen wucherten wilde Erdbeeren. Ihr Mann, der Architekt Hans-Henning Hanson, ermittelte, dass es sich bei dem einstigen Weingut Sorgenfrei um ein Haus im Dresdner Zopfstil handelte. Der markiert den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. Das Anwesen war 1783 bis 1789 vom fürstlichen Baumeister Johann August Giesel für einen Bankier errichtet worden.

"Das übernehmen wir", waren sich die Eheleute einig und ahnten nicht, dass sie daraufhin lange nicht sorgenfrei sein sollten. Rund vier Millionen Euro kostete die Rundum-Restaurierung, einen Teil übernahm die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, den großen Rest die Bank. "Wir haben unsere Heimat und Selbstständigkeit aufgegeben, aber wir haben es nicht bereut", seufzt die Chefin. Sie verkauften ihr Haus in Stuttgart und kriegten Sorgenfalten. Das kleine Sanssouci sieben Kilometer nördlich von Dresden aber entrissen sie seinem traurigen Schicksal.

Aus dem hübschen Barockschlösschen, hinter dem sich Weinberge emporschwingen und Spaziergänger mit Blick auf die mäandernde Elbe entlangschlendern können, ist ein kleines, exklusives Hotel mit 14 Zimmern geworden. Elegante Eisenbetten, geschwungene Barockstühle, raffiniert moderner Badezimmerkomfort, freigelegte Wandmalereien. Ein Kleinod entstand, das dem sinnenfreudigen 18. Jahrhundert zur Wiederkehr verhalf. Nicht in Dresden, in Radebeul vollzog sich das Wunder der Barockisierung.

Durch die weitläufige Anlage mit Brunnen und Freitreppen führt eine breite Allee. Im Festsaal des Gartenhauses liegt das Restaurant: lichtdurchflutet, Fenstertüren bis unter die hohe Stuckdecke, grüne Spiegelmalereien unter historischen Kristalllüstern, die – noch ein Wunder – das "Abwohnen" des Hauses überstanden haben. Exquisite Menüs französischer Küche und sächsische Weißweine, die als Rarität gelten, weil es nur wenig davon gibt, werden im Sommer auch auf der Terrasse serviert.

Durch Privatinitiative wurde ein wertvolles Denkmal gerettet – das letzte Haus im Dresdner Zopfstil.

Hotel-Restaurant Weingut Sorgenfrei, Augustusweg 48, 01445 Radebeul, Tel. 0351/893 33 30, Fax 8304522, www.hotel-sorgenfrei.de . Doppelzimmer von 130 bis 145 Euro. Angeboten werden auch geführte Wanderungen durch die Weinberge und Besuche des nahe gelegenen Karl-May-Museums. Dresden ist per S- und Straßenbahn zu erreichen