die zeit: Im Schnitt kaufen sich die Deutschen stets größere und schnellere Autos – und kommen doch langsamer voran. Dieses Spiel muss Autofahrer auf die Dauer verrückt machen.

Micha Hilgers: Das wäre nur der Fall, wenn sie das Auto als pures Transportmittel betrachten würden. Reale Geschwindigkeit ist aber nicht so wichtig wie das Gefühl, die Menschen könnten mit einem luxuriösen, sehr potent motorisierten Fahrzeug schnell und komfortabel fahren. Sie kaufen also mehr eine Illusion als eine tatsächlich einlösbare Möglichkeit.

zeit: Fahrer, die am Ende eines 20-Kilometer-Staus stehen, werden trotzdem oft wütend.

Hilgers: Aber selbst wenn der Beförderungswert des Autos gleich null ist, bleibt der Symbolwert unberührt – das Auto ist selbst im Stau ein Image-Träger und Freiheitsverheißer. Immer noch kann sich der Fahrer sozial ausweisen – und sein Auto individuell in einen Konzertsaal oder eine Disco verwandeln.

zeit: Tatsächlich geschieht etwas anderes. Im Stau sagen die Leute mit den kleinen Autos: "Jetzt sieht der Affe mit seinen 300 PS mal, wie weit er gekommen ist…"

Hilgers: …eine wunderbare Regulierung des Selbstwertgefühls, nicht wahr? Auch hier geht es also mehr um die Seele als um Transportnutzen.

zeit: Spielt die deutsche Autoindustrie besonders gut auf der Klaviatur der Käuferemotionen?