Wie verabreicht man Zootieren täglich eine Antibabypille ?

Leicht macht es uns nur unser Flusspferd Brandy. Sie wartet abends gierig auf ihre Pille – Brikett wäre der treffendere Ausdruck. Ihre Pille wiegt 120 Gramm, hundertmal mehr als die Pille für die Frau. Sie sieht aus wie ein Kohlebrikett, schmeckt aber besser, süß und fruchtig. Die Hormone sind in einen Brei aus Melasse, Apfelresten und Gerstenmalz eingestampft. Sobald der Pfleger Brandy ruft, reißt sie ihr Maul auf. Er wirft ihr die Pille in den Schlund, sie schluckt und bettelt nach mehr. Übrigens enthält die Pille fürs Flusspferd den Wirkstoff der ersten Pille für den Menschen, die in den Sechzigern auf den Markt kam. Sie wirkt, weil alle Säugetiere eine ähnliche Hormonstruktur haben, und ist eher niedrig dosiert: Brandy braucht täglich nur doppelt so viele Hormone wie eine Kuh, obwohl sie mit drei Tonnen sechsmal so viel wiegt.

Machen Ihnen andere Tiere die Arbeit schwerer?

Leider spucken die meisten die Pille wieder aus oder pulen sie aus dem Futter. Sie riechen die Arznei, selbst wenn ich sie in Honig einlege oder in Fleisch wickele. Schimpansen etwa müsste ich jeden Abend mit dem Blasrohr betäuben. Das heißt, ich hocke mit dem Rohr vorm Käfig und warte, dass die Äffin stillhält, was sie natürlich nicht tut – sie sieht das Blasrohr und weiß, was ihr droht. Daher haben wir unseren Schimpansinnen ein Implantat in den Oberarm gesetzt, das nach und nach Hormone abgibt und den Zyklus für zwei bis drei Jahre blockiert. Übrigens müssen sie nur deshalb verhüten, weil sonst ihr eigener Vater auch der Vater ihrer Kinder wäre. Er ist der Chef der Horde, nur er darf die Weibchen begatten. In der Natur würden geschlechtsreife Schimpansinnen die Mutterhorde verlassen.

Gibt es keine anderen Methoden?

Bei Polarwölfen verhüten wir normalerweise mit der Dreimonatsspritze. Die Wölfinnen werden nur einmal im Jahr läufig, im Februar. Im Januar fangen wir sie ein und injizieren ihnen Hormone. So vermeiden wir ein ganzes Jahr lang Nachwuchs, ohne die Tiere ständig mit Hormonen zu belasten. Bei ihnen haben wir die Pille aber wieder abgesetzt, als sich ein anderer Zoo als Abnehmer für die Welpen meldete. Ganz einfach ist die Empfängnisverhütung bei Leoparden. Sie leben sowieso lieber allein, also setzen wir sie in getrennte Gehege.

Wäre eine Sterilisation in manchen Fällen nicht schonender als Hormone?