Elias hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, aber er hat gelernt, mit der Enttäuschung zu leben. Seine Mutter weiß immer noch nicht, wie "Außerirdische-Spielen" geht, und sein Vater kann keinen Drachen bauen. Da nützt es nichts, dass die Mutter hübsch wie eine Prinzessin und der Vater Spieleerfinder ist. Beide arbeiten ununterbrochen und haben keine Zeit. Zu allem Unglück hat er nicht mal Großeltern. Als er aber eines Tages ein gelbes Ei findet, das er zu Hause heimlich ausbrütet, schlüpft daraus kein süßer Vogel, sondern eine kleine Oma…

Auf Elias’ riesige Freude, endlich jemand nur für sich zu haben, folgt rasch die Ernüchterung: Diese Oma kann sich nicht um ihn kümmern, sondern umgekehrt! Oma Undu kann nämlich weder sprechen noch gehen, geschweige denn Karten spielen oder Geschichten erzählen. Sie muss wie ein Baby alles erst von ihm lernen. Und diese feine Idee ist köstlich umgesetzt!

Schließlich bringt ihr Elias, da sie mit kleinen Flügeln geboren wurde, sogar das Fliegen bei, und je selbständiger sie wird, desto mehr Selbstvertrauen gewinnt er. Und dass er am Ende das Drachenfliegen gewinnt – mit dem von seinem Vater gebastelten, natürlich flugunfähigen Drachen –, verdankt er Oma Undu.

Den traurigen, aber auch hoffnungsvollen Schluss macht Iva Procházková, deutsch schreibende Tschechin, mi ihrer schwerelosen Erzählweise voll warmem Humor gut verträglich. Spannend und höchst amüsant (wie etwa Elias im Supermarkt das Essverhalten von Omas erforscht) reihen sich Elias' Erlebnisse nahtlos aneinander, begleitet von Marion Goedelts zärtlichen Illustrationen. Zum Finale hin laufen die Erzählstränge mühelos zusammen, und Vorfreude auf eine Fortsetzung macht sich breit. Denn Elias und Oma Undu könnten Kindern die Kraft geben, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Iva Procházková/Marion Goedelt: Elias und die Oma aus dem Ei

Sauerländer Verlag im Patmos Verlag; , Düsseldorf 2003; 128 S., 13,90 Euro (ab 8 Jahren)