Andreas W. Daum: Kennedy in Berlin. Politik, Kultur und Emotionen im Kalten Krieg - Schöningh, Paderborn 2003 - 271 S., 24,90 e

Vor 40 Jahren, vom 23. bis 26. Juni 1963, besuchte John F. Kennedy die Bundesrepublik und am 26. Juni auch für acht Stunden (West-)Berlin. Es war ein Ereignis ohnegleichen, das sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben hat, betont der in Buffalo, New York, lehrende Historiker Andreas Daum. Er beschreibt, wie penibel die Inszenierung dieses Besuchs vorbereitet wurde und wie er dennoch ein wenig chaotisch verlief, weil man eine so große Beteiligung der Massen nicht erwartet hatte. Überdies schildert der Autor, wie dieses Ereignis nachwirkte und die folgenden, in einer weniger freundlichen Umgebung stattfindenden Berlin-Besuche amerikanischer Präsidenten prägte. Daum hat eine aus den Quellen aller Beteiligten gearbeitete, ruhig argumentierende Untersuchung geschrieben, die Modellcharakter beanspruchen kann. Bilder und Inszenierungen gehören nicht erst in der Gegenwart zum festen Repertoire der internationalen Beziehungen.

Trotzdem: Nicht die Bilder bestimmen die Erinnerung, sondern der berühmte Ausspruch des amerikanischen Präsidenten: "Ich bin ein Berliner." Wie dieser Satz in die Rede kam, auch das erfährt man in diesem interessanten Buch.