Wer sich in Venedig bei der 50. Biennale den nötigen Kunst-Appetit geholt hat, kann sich in Basel auf der 34. Art seine Wünsche erfüllen. 270 Galerien aus aller Welt zeigen bei dieser Messe das Beste, was der Markt an klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst zu bieten hat (18. bis 23. Juli). Viele der in der Lagunenstadt präsenten Künstlerpositionen finden sich hier wieder – ob Art & Language, Jean Marc Bustamante, Candida Höfer oder Michelangelo Pistoletto.

Mehr als 1000 Künstlernamen listet der Katalog auf. Selbst wenn die Stadt Basel mittlerweile unter Sparzwang leidet, warten alle großen Häuser mit Sonderausstellungen auf. Gleiches gilt für die privaten Stiftungen: Das neu eröffnete Schaulager zeigt eine Dieter-Roth-Retrospektive. Die Fondation Beyeler widmet sich mit Expressiv! einer Schau, die einem modernen Lebensgefühl nachspürt. 200 Werke sind zu sehen, darunter Arbeiten von El Greco bis Bruce Nauman.

Aus 930 Bewerbungen wählte das mit sechs Galeristen besetzte Art Committee die Teilnehmer der Basler Messe aus. Probleme mit Galerien, die sich wie bei der Art Cologne juristisch einklagen, hat die Art Basel nicht. Mit der Einrichtung einer Rekurskommission ist dem Wettbewerbsgesetz in der Schweiz Genüge getan.

Längst schon ist die Art Basel nicht mehr nur eine Messe, sondern ein Mehrsparten-Großunternehmen mit Wellness-Bereich und Kindergarten. Art Unlimited heißt einer der Ableger, der 55 Großinstallationen und Projektionen auf 12000 Quadratmetern zeigt. So beispielsweise eine 40 Tonnen schwere Stahlskulptur von Richard Serra oder die in sechs Koffern gesammelten Requisiten von Paul McCarthy. Die zum zweiten Mal eingerichtete Art Lobby ist der Treffpunkt für Insider und Publikum gleichermaßen. Der niederländische Architekt Rem Koolhaas, der diesjährige Biennale-Inszenator Francesco Bonami, das Künstlerpaar Gilbert & George und der Ausstellungsmacher Harald Szeemann stehen dort den Besuchern täglich für eine halbe Stunde zum Gespräch zur Verfügung (www.ArtBasel.com).

Förderkojen mit hohem Aufmerksamkeitsgrad erhalten 17 Galerien aus zehn Ländern in der Sparte Art Statements. Dadurch soll die Möglichkeit geschaffen werden, junge und jüngste Kunst anzubieten. Im Stadtkino Basel läuft parallel ein Filmprogramm. Zu sehen gibt es Beiträge von Künstlern wie Rodney Graham, Ann-Sofi Siden, Roman Signer, aber auch Porträts über Dieter Roth und Henri Cartier-Bresson.

Hat die Art Basel bisher immer auch zu Recht ihre Position als internationaler und wichtigster Marktplatz für Kunst herausgestellt, klingen in diesem Jahr zum ersten Mal auch bescheidenere Töne an. Einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr zufolge, ist die sommerliche Veranstaltung nicht nur ein Kaufplatz für die Sammler mit dem ganz großen Bankkonto. 27 Prozent aller mitgeführten Werke der Galerien wurden in Höhe bis zu 5000 Euro angeboten. Ohne sich billig zu machen, können die 270 Aussteller Exponate in dieser Preisklasse wahlweise mit einem dezenten gelben Label kennzeichnen.

So ist bei Art of this Century, New York, eine kleine, mit 34-karätigem Gold veredelte Auflagen-Mülltonne von der Schweizer Künstlerin Silvie Fleury zu haben. Bei David Zwirner, ebenfalls New York, steht eine der skurrilen kleinen Tuschzeichnungen des Kanadiers Marcel Dzama zum Verkauf. Ein Selbstporträt des 32-jährigen Jonathan Meese als ägyptischer Pharao (Contempory Fine Arts, Berlin) gehört ebenso in diese Preiskategorie wie viele Arbeiten aus dem Bereich der Fotografie, die in der Sparte Art Edition angeboten werden. Auf nachhaltiges Betreiben der mit Fotografie handelnden Galeristen wird das seit Jahren kritisierte "Ghetto" im ersten Stock der Messe aufgelöst, und die Stände im Erdgeschoss werden in den Kreis der mit zeitgenössischer Kunst Handelnden integriert.

Nicht nur mit den Institutionen in der Stadt agiert die Art Basel im harmonischen Einvernehmen, auch mit der zum achten Mal stattfindenden Messe Liste 03. Hier kommen nur Künstler bis 40 Jahre und Galerien, die nicht länger als fünf Jahre existieren, zum Zuge. Aus 150 Bewerbungen hat eine aus ehemaligen Teilnehmern und Vertretern öffentlicher Häuser zusammengesetzte Jury diesmal 47 Galerien aus 19 Ländern ausgesucht. Viele der Künstlerinnen und Künstler, die dort präsentiert wurden, fanden sich später auf der Art Basel wieder. Da keine Galerie öfter als maximal vier Jahre teilnehmen darf, feiern diesmal 18 Aussteller Premiere. Darunter Maisonneuve aus Paris, Christina Wilson aus Kopenhagen und maccarone inc aus New York. So versteht sich das Unternehmen nicht ganz zu Unrecht als eine Entdeckermesse ( www.liste.ch ).