Natürlich lässt der Tod Jürgen Möllemanns niemanden von uns unberührt, die wir mit ihm über so viele Jahre für gemeinsame politische Ziele gekämpft haben, manchmal übereinstimmend, manchmal aber auch in völliger Ablehnung seiner Vorstellungen und seiner Art der Auseinandersetzung. Er konnte fröhlich, mitreißend und gewinnend, aber auch aggressiv und vorsätzlich verletzend sein. Ich gehörte nicht zu seinen Freunden und wollte das auch nicht. Aber ich habe seine politischen Leistungen und Fähigkeiten gesehen und ihn deswegen oft genug unterstützt und auch verteidigt.

Jedoch, die ständig wiederholten Versuche einzelner seiner Freunde, nun seinen Tod zu Angriffen auf die Führung der FDP zu instrumentalisieren, sind empörend und werden allmählich unerträglich. Die Freunde nutzen die dem Toten geschuldete Pietät in der Erwartung, dass es nicht möglich sei, auf die Angriffe zu antworten. Wir alle wissen doch, dass Möllemann selbst die Loyalität zerbrochen hat, die man sich auch in einer politischen Gemeinschaft gegenseitig schuldet. Er hat uns bewusst Finanzierungswege verheimlicht, die wir nicht akzeptiert hätten. Er hat während des Bundestagswahlkampfes im vergangenen Jahr ein Flugblatt herausgebracht, von dem er genau wusste, dass wir es nicht akzeptieren würden, weil es uns in die Gefahr brachte, als antisemitisch zu gelten - für Liberale unerträglich. Ich hätte die FDP nach über 50 Jahren Mitgliedschaft verlassen, wenn wir nicht endlich einen Trennungsstrich gezogen hätten.

Jürgen Möllemann hatte weniger Feinde, als er glaubte. Aber er hat viele seiner Weggefährten zutiefst enttäuscht. Und daran ändert sein Tod nichts.

Der macht mich betroffen. Ich empfinde tiefes Mitleid. Es bewegt mich, dass dieser eigentlich so fröhliche und lebensfrohe, beifallsuchende Mensch am Ende seines Lebens so überfordert und hilflos war. Aber es ist unredlich, aus seinem Tod eine Legende zu stricken, für die andere bezahlen sollen. Die Freunde, die nun so bereitwillig anderen Schuld zuweisen, sollten zuerst sich selbst fragen, was sie getan haben, um ihn rechtzeitig und richtig zu beraten.

Burkhard Hirsch ist Mitglied des FDP-Bundesvorstands