Frech, und das auf Farsi: "Es gibt keine Gedankenfreiheit mit Turban und Bart." Die Mullahs muss es schaudern, solche Parolen auf Teherans Straßen zu hören. Sechs Nächte in Folge haben die Studenten demonstriert. Es braut sich etwas zusammen in Iran.

Noch protestieren nur die Hochschüler. Aber aus der Sicherheit ihrer Autos heraus bekundet Teherans junge Mittelschicht ihre Sympathie. Und viele Haustüren bleiben offen als Fluchtweg vor der Polizei.

Der Sturm, der aufzieht, nährt sich aus Armut und Hoffnungslosigkeit. Auf 35 Prozent ist die Arbeitslosigkeit angestiegen. Hass entlädt sich über Irans geistliches Oberhaupt Chamenei, dem Hüter der ideologischen Orthodoxie und der verlogenen Moral. Zorn trifft aber auch den gutwilligen, schwachen Präsidenten Chatami, der sich - zweimal vom Volk mit großer Mehrheit gewählt - gegen die Konservativen in Militär, Polizei und Justiz nicht durchsetzen kann.

Auch von außen wird der Sturm angefacht. Der "Große Satan" Amerika steht nach den Kriegen in Afghanistan und im Irak mit seinen Soldaten direkt an Irans östlicher und westlicher Grenze. In Washingtons Visier gerät nun ein "Schurkenstaat", wie er im Buche steht: eine Diktatur, die nach Massenvernichtungswaffen strebt und die den internationalen Terrorismus unterstützt.

Aber die Regierung Bush sagt: Jeder Fall liegt anders. Mit militärischer Gewalt will Amerika die Mullahs nicht stürzen. Den erwünschten "Regimewechsel" sollen die Iraner selbst herbeiführen - nach dem Willen der Falken in Washington allerdings mit kräftiger amerikanischer Hilfe. Iran stehe am Rande der Revolution, behaupten sie. Die Revolutionäre verdienten jede Ermutigung.

Was die Falken übersehen: In der iranischen Diktatur gibt es demokratische Räume, die von Abgeordneten, Journalisten, Schriftstellern mutig verteidigt werden. Aus dem Ausland kommen moderne Ausstellungen und Theateraufführungen, Gastdozenten werden eingeladen. Die subversive Kraft der Aufklärung ist, allen Rückschlägen zum Trotz, nicht wirkungslos geblieben.

Wandel durch Dialog - so lautet die europäische Alternative zum Regimewechsel. Auch moderate Politiker in Washington halten sie für richtig.