Auf ihren krummen Touren möchte man Renate Just stehenden Fußes folgen – so verführend beschreibt sie ihre Reisen in den Münchner Südosten, in den Chiemgau, ins Salzkammergut. Sie weiß bestens über die Region Bescheid, kennt jeden noch so kleinen Winkel, ob Natzing, Holzolling oder Kutterling, sie weiß wunderbar Landschaftsszenarien und Stimmungen aufzubauen, fesselnd zu erzählen. Vornehmlich von Schriftstellern aus "abgelebten Zeiten" – in Glonn von der fast vergessenen Lena Christ, in Neubeuern oder Bad Ischl von Hugo von Hofmannsthal, im salzburgischen Henndorf natürlich von Carl Zuckmayer, von Thomas Bernhard sowieso. Und sie macht kein Hehl daraus, was ihr nicht gefällt: die Massen in Ludwigs Schloss auf Herrenchiemsee, der "ganze formlose Biedersinn der Kohl-Ära" in St. Gilgen, die "Fun- und Lustbarkeitsstrategen" der Tourismusindustrie. Eindringlich erinnert sie an das Schicksal der Literaten, die den Wolfgang- wie den Attersee prägten und in der NS-Zeit ins Exil getrieben wurden. Im Anhang gibt Renate Just mit knapper Wertung manch überraschenden Tipp, allein die verwaschenen Schwarzweißaufnahmen sind, wie schon im ersten Band, gewöhnungsbedürftig. put

Renate Just: Krumme Touren 2. Reisen in die Nähe. Münchner Südosten, Chiemgau, Salzkammergut; Verlag Antje Kunstmann, München 2003; 350 S., 19,90 Euro

Zum Golf von Neapel noch literarische Entdeckungen machen zu wollen – das ist nicht weit von dem Wunsch der Erstbesteigung des Vesuvs entfernt. Gemessen an dieser Ausgangslage, sind Peter Peters Recherche-Funde respektabel. Selbst zu Pompeji hat er selten Gelesenes aufgestöbert. Bevorzugt montiert der Autor seine Zitatensammlung zu Essays über entlegenere Themen: über Nurejews Aids-Asyl auf seiner Privatinsel, über Nudelmacher und Makkaroni-Fresser, über einen Fremdenführer aus Paestum, der mittlerweile Kultstatus hat, über Unbekannteres aus Sophia Lorens Biografie, etwa als sie in einer Rolle als blonde Pizzabäckerin brillierte. Ein Lesevergnügen, dazu noch mit Nutzeffekt – denn der Autor listet zum Beispiel auch Neapels interessanteste Pizzerien auf. Alb

Peter Peter: Golf von Neapel. Literarische Entdeckungen zwischen Neapel, Sorrent, Amalfi und Capri; Klett-Cotta, Stuttgart 2003; 232 S., 19,– Euro

Immer wieder Bouillabaisse und noch ein neues Kochbuch mit traditionellen Rezepten aus Südfrankreich: Wolfsbarsch im Gemüsebett, Aioli und Ratatouille. In der Reihe Genießer unterwegs hat Diane Holuigue, renommierte australische Kochlehrerin mit geschultem Sinn für mediterrane Köstlichkeiten, die Provence abgeschmeckt. Ihr kulinarisches Potpourri serviert – vom Entree bis zum Dessert – authentische Rezepte, die sich mühelos umsetzen lassen. Zu einem besonderen Vergnügen gerät die Gourmetreise durch appetitliche Food-Fotos, harmonische Landschaftsaufnahmen und heitere Aquarelle. Ein wunderbares Wiedersehen mit bereits verloren geglaubten Illusionen und ein Augenschmaus – auch für die alten Hasen, die längst wissen, dass frische Basilikumblätter zur Gemüsesuppe mit Pistou gehören wie die Zikaden in die Wiesen der Provence. CS

Diane Holuigue: Genießer unterwegs – Provence. Rezepte und kulinarische Notizen mit Fotos von Noel Barnhurst und Jason Lowe; aus dem Englischen von Susanne Vogel; Christiane Verlag, München 2003; 256 S., 36,– Euro

Auch bei diesem Wander-Atlas für die Alpen finden Freunde der Vollständigkeit sicher etwas zum Mäkeln: Zu banal sind die Einleitungstexte, zu beliebig mutet die Auswahl der 120 Touren an, zu knapp oder gar nicht kommen bedeutende Wandergebiete vor (dafür dominieren die Dolomiten). Andererseits: Solche best of- Bände sind beliebt. Die Benutzer dieses Buches bekommen immerhin brauchbare Informationen: knappe, aber solide Tourenbesprechungen, Kartenausschnitte für jede Wanderung, die wichtigsten Basishinweise – und bei dem Preis setzt man wenigstens nicht viel Geld in den Sand. Alb