von "klassik" ist viel die Rede, in der Welt des Weins. Da die Klassik nach unserem Selbstverständnis im alten Europa angesiedelt ist, handelt es sich hier um einen Ausschließlichkeitsanspruch, der alles ausgrenzt, was jenseits des Atlantiks und in noch ferneren Weltgegenden an Wein existiert. Auch das ist eine Arroganz der Macht. Nur dass sie sich überlebt hat.

Nicht, weil uns der Weinbau in Amerika Konkurrenz macht, und auch nicht, weil in Australien europäische Rebsorten zu großartigen Weinen vergoren werden. Sie haben in Übersee – in der Neuen Welt, wie die Branche es nennt – eine Weinproduktion auf die Beine gestellt, die schon heute klassisch genannt werden kann. Das erinnert ein wenig an die Epoche, als die Japaner anfingen, Kameras zu bauen, mehr oder weniger gelungene Kopien der klassischen Leicas. Damals bekamen die Japaner den Ruf, geschickte Kopierer zu sein. Über unsere Arroganz können wir heute nur verlegen lächeln.

Die Amerikaner waren die Ersten, die ihren heimischen Weinbau in Kalifornien nach französischem Beispiel ausrichteten. In den siebziger Jahren gründeten clevere Laien mit viel Geld und großem Ehrgeiz Weingüter von beeindruckender Größe und Modernität. Die bevorzugt angepflanzten Rebsorten waren Chardonnay und Cabernet-Sauvignon, die klassischen Sorten des französischen Weinbaus. Plumpe Kopien mit Stoßstangen vom Cadillac, höhnten europäische Kritiker. Die Weine hatten zu viel Holzaroma und zu viel Alkohol, gepaart mit zu viel Selbstbewusstsein der kalifornischen Winzer.

Sie praktizierten Methoden, die hierzulande als unanständig gelten. Sie zuckerten die Weine und entsäuerten sie, dass es ein Graus war. Doch das ist Vergangenheit. Heute gibt es wunderbare Weine aus dem Napa Valley, dem Sonoma und dem Russian Valley. In Monterey und im Santa Barbara County werden Wein produziert, die keinen Vergleich mit europäischen zu scheuen brauchen. Das heißt natürlich nicht, dass alle amerikanischen Weine gute Weine sind. Auch dort ist es letzten Endes der Winzer, der über die Qualität entscheidet. Wie bei uns.

Die Entwicklung hat eine Parallele in Australien, Südafrika und, neuerdings, auch in Chile. Vor allem einige Shiraz aus Australien (Penfolds, Henschke) erreichen Qualitäten, mit denen sie die berühmten Hermitage und Côte-Rôtie übertreffen. Allerdings auch beim Preis. Da werden locker 600 Euro für eine Flasche bezahlt, und niemand wundert sich. Denn diese tiefroten, dichten und vollmundigen Weine haben nicht ihresgleichen.

Eine andere Sorte, die in der Neuen Welt erfolgreich angebaut wird, ist die Sauvignon blanc, durch die in Europa der Sancerre und der Pouilly Fumé bekannt wurden. Und nicht zu vergessen die steierischen Weißweine von Winzern wie Tement, Golz und Sattler. Aus dieser Traube keltern vor allem Winzer in Neuseeland und Südafrika Weine mit zunehmender Bedeutung für den Weltmarkt.