die zeit: Herr Frenzel, Sie haben eine neue Billigfluglinie, die Hapag-Lloyd Express, und einen neuen Billig-Reiseveranstalter eröffnet. Heizen Sie damit die "Aldisierung" des Tourismus an?

Michael Frenzel: Nein, wir sind mit unserer neuen Marke Discount Travel in eine sehr zugespitzte öffentliche Debatte hineingeraten. Dabei entstand der Eindruck, die TUI stehe jetzt insgesamt für billig. Das stimmt nicht. Aber der Markt verändert sich. Früher gab es nur ein kleines Niedrigpreis- und ein kleines Premiumsegment, dazwischen lag ein sehr großes qualitatives Mittelsegment – so war es zumindest in Deutschland, in Großbritannien gab es das nie. Jetzt gerät hierzulande dieses Mittelfeld unter Druck, und die Ränder wachsen deutlich schneller.

zeit: Ist das nicht besonders für einen Konzern wie die TUI ein Problem, der gerade von dieser breiten Mitte lebt?

Frenzel: Nein, zum einen haben wir unter unserem Dach schon lange unterschiedliche Marken, die auf die verschiedenen Preissegmente zielen. Discount Travel ist da ja nur die jüngste Ergänzung unserer Palette. Und zum anderen hält sich die Verschiebung im Markt, bei aller Aufregung, in Grenzen. Wir gehen davon aus, dass der Marktanteil des Billigbereichs mittelfristig von 10 auf 15 Prozent wächst. Das Premiumsegment dürfte bei etwa 5 Prozent liegen, und das Mittelfeld wird immer noch rund 80 Prozent des Marktes umfassen. So dramatisch ist die Entwicklung also nicht. Dennoch müssen wir als Marktführer auf solche Entwicklungen schnell eine Antwort parat haben und das offensiv angehen.

zeit: Richtig schnell waren Sie aber nicht, Billigflieger gibt es doch schon länger. Sie vollziehen den Trend wohl eher nach.

Frenzel: In Deutschland ist die Entwicklung erst am Anfang. Zudem wäre es schlimm, wenn wir das Thema Schnäppchenjagd selbst erfunden hätten. Dann hätten wir uns selbst kannibalisiert. Aber hier schwappt ein Phänomen auf die Touristik über, das wir zum Beispiel im Handel in dieser Schärfe und mit den dazugehörigen Werbesprüchen erst seit einem Jahr beobachten.

zeit: Sie kennen den Slogan "Wir können nur billig". Bei der TUI ist wohl die Frage: Können Sie überhaupt billig? Können Sie in einem Unternehmen, das für Qualität steht, eine Discount-Kultur schaffen?