Ihren Artikel fand ich ganz wunderbar, differenziert, ausgleichend und humorvoll. Nur eine Anmerkung: Deutschlands Bild von sich als Nation ist in der Tat sehr von der Idee des Völkischen geprägt, welche sich religiös stark an das Christentum anlehnt. Ich glaube, dass es deshalb noch sehr lange dauern wird, bis sich ein neues, ein anderes Bild von Deutschland durchsetzt.

Auch viele Türken (oder soll man sagen: Deutsche türkischer Herkunft beziehungsweise Abstammung, Deutschtürken, in Deutschland geborene Türken oder einfach: Deutsche?) beklagen sich über die isolierte, vorurteilsbehaftete Wahrnehmung, die Sie an vielen Deutschen der Mehrheitsgesellschaft gegenüber deutschen Juden kritisieren. Ich meine zwar, dass sich im öffentlichen Bewusstsein in den letzten zehn Jahren einiges getan hat - dennoch können Folkloregruppen, koschere Kochkurse und Bauchtanz nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch keine "Normalität" von Minderheiten in Deutschland gibt. Ich glaube aber, das kommt. Wir müssen uns in Geduld üben.

Verena Dreißig Köln

So richtig die Feststellungen Herrn Korns für einen (womöglich den größeren) Teil der deutschen Bevölkerung sind, es gibt auch viele, denen es völlig gleich ist, wo, in welches Volk, welche Religion und welche Kultur hinein ein Mensch geboren ist. Was zählt, ist einzig und allein, ob dieser Mitmensch die Offenheit und Ungezwungenheit aufbringt, gemeinsam daran arbeiten zu können, das Leben für alle etwas angenehmer zu gestalten. Ich vermute, wir befinden uns, was diverse Grenzüberschreitungen betrifft, in einer Minderheit, aber ich bin zuversichtlich, dass das nicht so bleiben wird.

Es ist Aufgabe der Politik, die blockierenden Vorurteile abzubauen. Hier sehe ich auch die auf lange Sicht vielleicht wichtigste Funktion der europäischen Einigung. Gelingen kann dies aber nur, wenn sich gerade die führenden Gruppen der Gesellschaft endlich radikal vom Phantom der völkischen Nation verabschieden. In Wahrheit hat es diese sowieso nie gegeben. Immerhin ist das heutige europäische, gerade auch das deutsche Völkergemisch durch ein über zweitausend Jahre währendes Geschiebe aus Völkerwanderungen und Kriegswirren entstanden.

Und da sehe ich den Haken in Herrn Korns Ausführungen: Obwohl er sich zu Recht gegen Verallgemeinerungen verwahrt, tappt er am Ende selbst in die Falle und postuliert "vorhandene Unterschiede zwischen Deutschen und Juden".

Ich meine, man sollte sich einfach darauf einigen, dass alle Menschen verschieden sind.