die zeit: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben mit 82 Jahren an der Uni Gießen promoviert, sogar mit "magna cum laude". Wie kam es dazu?

Heinz Schultheis: Mit 69 Jahren habe ich mich als Gasthörer in Philosophie und Physik eingeschrieben und dann ein, zwei Scheine gemacht. Mit 80 wollte ich dann ein bisschen kürzer treten - man ist ja schließlich nicht mehr ganz jung. Als ich das meinem Philosophieprofessor erzählt habe, meinte der: "Machen Sie doch eine Promotion." Erst war ich baff, dann bekam ich große Lust dazu.

zeit: Was haben Sie in Ihrer Dissertation untersucht?

Schultheis: Ich habe mich mit Akzeptanzproblemen von Wissenschaft und Technik in der Öffentlichkeit beschäftigt. Der Chemie-Unfall von Seveso etwa hat der gesamten Chemie-Branche geschadet. Da gab es ein unheimliches Misstrauen in der Bevölkerung. Weitere Themen sind Kernenergie, Biotechnologie und der Strukturwandel im Ruhrgebiet.

zeit: Wie haben Sie sich unter den jüngeren Studenten gefühlt?

Schultheis: Glänzend. Mit den jungen Leuten hatte ich nie Schwierigkeiten.

Wenn es sich ergab, dass ich neben einer jungen, gut aussehenden Studentin sitzen konnte, warum nicht? Nur in meiner Anfangszeit als Gasthörer saßen noch ein paar Nachfolge-68er in der Vorlesung. Für die war ich nur der Vertreter des Monopolkapitals, weil ich 35 Jahre bei Bayer gearbeitet habe.