War was? Vier Tage hat die Aufführung gedauert, die Walfänger und -schützer in dieser Woche geboten haben anlässlich der rituellen Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission IWC zu Berlin. Umweltschützer werten es als großen Erfolg, dass eine Resolution gegen wissenschaftlichen Walfang und eine „Berlin-Initiative“ angenommen wurden, die dem IWC künftig vermehrt den Umweltschutz ins Stammbuch schreibt. Ein neuer Ausschuss des IWC soll die Verschmutzung, Erwärmung und Überfischung der Meere unter die Lupe nehmen und insbesondere die Belange von Kleinwalen und Delfinen berücksichtigen. Die gastgebende Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast schwärmte, damit werde „der Walschutz als ein Kernanliegen der IWC anerkannt“, ein wichtiger Schritt „zur Modernisierung und damit zur Stärkung“ der Walfangkommission. Im übrigen ließen sich die Meeressäuger am besten nutzen durch whale-watching, Fotografieren statt Harpunieren sei angesagt. Solch populären Parolen ist Beifall gewiss. Zweifellos ist es richtig, wenn der einst auf knallharter Industrielogik gegründete Schieß- und Schlachtclub IWC vermehrt Umweltaspekte berücksichtigt und beim nachhaltigen Hegen der Walbestände nicht nur an Fleisch- und Speckverkauf denkt. Zudem ist whale-watching mittlerweile ein Milliardengeschäft, das viel mehr einbringt als nachhaltiger Walfang absehbar erzielen könnte. Dennoch war die Berliner Tagung ein Flop. Die durchgepaukten Resolutionen und Initiativen verbessern den Walschutz um keinen Deut, denn sie sind unverbindlich und die Walfänger spielen nicht mit. Über die konkreten Aufgaben des neu zu gründenden Umweltausschusses wird noch gerätselt – nur Fantasten glauben, dieses IWC-Gremium könnte die Erderwärmung oder Gewässerverschmutzung positiv beeinflussen. Deutschland hat die Chance verspielt, als Gastgeber zwischen den verfeindeten Glaubenskriegern im IWC zu vermitteln. Statt neutral zu moderieren, gossen die Deutschen ideologischen Tran ins Ökofeuer. Sie blockierten damit eine einvernehmliche Bekämpfung der weitaus größten Todesfalle für Meeressäuger, nämlich des Beifangs. In Fischernetzen und -leinen sterben jährlich hundertmal mehr Wale als durch Harpunen der geächteten Jäger. Ein internationales Abkommen, den Beifang deutlich zu reduzieren und im Gegenzug die ohnehin bereits stattfindende Waljagd zu legalisieren, würde zehntausenden Meeressäugern jährlich das Leben retten. Doch das darf nicht sein. Denn eine Aufhebung des Walfang-Moratoriums scheuen Bundesregierung und fundamentalistische Schützer wie der Teufel das Weihwasser. Dabei erliegen sie einer ähnlichen Illusion wie die katholische Kirche beim Bann des vorehelichen Beischlafs. Sie glaubte, Verbote könnten die sündhafte Welt verbessern. Auf Dauer ist das Walfang-Moratorium, das realistische Tierschützer als Farce bezeichnen, nicht zu halten. Zu wünschen ist vielmehr eine Koexistenz der Kulturen, dass Walfreunde und -jäger sogar kooperieren, im Interesse des Ganzen. Längst ist doppelter Genuß am Wild akzeptiert: Reh, Hirsch und Hase erfreut beobachten, und gelegentlich ein Festmahl mit ihnen anzurichten. Das sollte doch auch mit Walen gelingen.