Die Zeit: Frau Professor Stern, muss man als Hochschullehrer intelligent sein?

Elsbeth Stern: Es gibt Berufe, die eine höhere Intelligenz voraussetzen, und dazu gehört sicher auch der des Professors, insbesondere weil man als Wissenschaftler ständig Neues dazulernen muss. Ein hoher Intelligenzquotient reicht jedoch nicht. Bei einem erfolgreichen Wissenschaftler müssen Ausdauer, Fleiß, Anstrengungsbereitschaft oder Motivation hinzukommen.

Zeit: Man könnte meinen, Sie führten einen Feldzug gegen die Intelligenz.

Stern: Wie kommen Sie darauf?

Zeit: Gerade haben Sie mit Kollegen aus Österreich in einer Studie gezeigt, dass weniger intelligente Menschen ihr Fachgebiet beherrschen können, wenn sie nur üben [siehe Kasten]. Und von Ihnen stammt der Satz: "Wissen, nicht Intelligenz ist der Schlüssel zum Können."

Stern: Stimmt. Aber Intelligenz bleibt ein sehr sinnvolles wissenschaftliches Konstrukt, um die unterschiedliche geistige Leistungsfähigkeit von Menschen zu erklären, die die gleichen Lerngelegenheiten hatten. Intelligenz beeinflusst ohne Zweifel den Erfolg in der Schule und im Beruf.

Zeit: Weshalb warnen Sie dann vor einer Überschätzung der Intelligenz?