Seit Pretty Woman fürchten wir bei Geschäftsessen vor allem eines: Schnecken. Tapfer versucht Julia Roberts in diesem Film, die störrischen Delikatessen mithilfe der Tischutensilien zu besiegen. Doch die Zange rutscht ab, eine Schnecke schnalzt vom Teller – und fliegt auf den Kellner zu. Kommentar Roberts: "Schlüpfrige Scheißerchen." Immerhin: Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite und war die Schnecke los. Doch in den meisten Business-Situationen ist es besser, wenn man die Etikette kennt; weiß, wie man sich kleidet, vorstellt, Delikatessen isst. Mit Ratschlägen in Buchform sind die Verlage in großer Zahl zu Diensten:

Der Job-Knigge von Birgit Rupprecht-Stroell ist eine besonders knappe Zusammenfassung – 44 Benimmthemen auf 96 Seiten im Hosentaschenformat. Der Vorteil: Man kann ihn überall hin mitnehmen. Der Nachteil: Das wird oft nichts nützen. Denn die meisten Tipps sind so vage, dass der Leser sich wenig darunter vorstellen kann. "Geschenke festigen Beziehungen, sollten aber hochwertig und in richtige Farben verpackt sein (besonders in Japan und China)", informiert uns die Autorin. An anderen Stellen enttäuscht das Buch mit Altbekanntem. "Mit einem freundlichen ,Danke‘ und ,Bitte‘ zeigen Sie, dass Sie gute Manieren haben", erfährt man da. Gut zu wissen.

Nicht viel größer im Format ist der Business-Knigge, ein dünnes Taschenbuch von Petra Begemann. Auch sie beantwortet nicht jede Detailfrage – viele aber schon, und die dafür konkret. Überdies befasst sich das Buch mit einigen ausgefallenen Themen. Zum Beispiel bietet es Verhaltenstipps für Leser, die zu Wutausbrüchen neigen – und Ratschläge für Menschen, die regelmäßig unter den Explosionen anderer leiden. Der schnoddrig-flotte, an einigen Stellen ironische Tonfall macht die Lektüre unterhaltsam.

Einen anderen Schwerpunkt als die meisten Ratgeber setzt der Karriere-Knigge von Elke Pohl. Zwar äußert sich die Autorin auch zu einigen Klassikern wie Kleidung, Geschäftsessen und korrekter Korrespondenz, doch etwa die Hälfte des Buches handelt von Selbstmarketing und Selbstdarstellung. Hier lernt der Leser, wie er seine Stärken und Schwächen analysiert, besser argumentiert, Lampenfieber bekämpft und Reden hält. Die Tipps sind gut; der Titel des Buches führt aber auf die falsche Fährte.

Wer es ganz genau nimmt mit dem formvollendeten Verhalten, ist mit Benimm im Business von Hans-Michael Klein an der richtigen Adresse – und entdeckt Probleme, an die er bis dato noch nicht dachte. Denn neben den Standards kommen hier auch etliche Sonderfälle zur Sprache: Die Sitzordnung bei einer geschäftlichen Autofahrt zum Beispiel wird nicht etwa dem Zufall überlassen: "Der Ehrenplatz ist wegen der besten Übersicht der Beifahrersitz. Die zweitwichtigste Person sitzt hinten rechts, der letzte Platz in der Rangfolge ist hinter dem Fahrer."

Die Lektüre hat etwas Einschüchterndes. Erschreckend, was man alles falsch machen kann, wenn man ein simples Schnitzel isst! Das Messer darf nicht auf dem Teller kratzen, erst recht nicht zur Unterstreichung eines Arguments durch die Luft geführt werden – und wehe dem, der die Angewohnheit hat, die Schneide an Gemüsestücken oder der Gabel zu putzen!

Etiketteregeln sind allerdings kein Selbstzweck. Nicht um steife Förmlichkeiten, sondern um respektvollen Umgang zwischen Menschen sollte es gehen. Das ist der Tenor des Knigge for Business von Elisabeth Bonneau, mit dem der Leser bestens beraten ist. "Detailkenntnis ist gut", schreibt die Autorin, "auf übergeordnete Kategorien zurückzugreifen ist besser." Deshalb vermittelt sie zwar unzählige Einzelgebote, versucht andererseits aber auch, ihrem Publikum ein Verhaltensraster an die Hand zu geben. Angenehm an Bonneaus Knigge ist der Humor, der immer wieder durchblitzt, aber auch seine Genauigkeit. Bei Unpünktlichkeit, erfahren wir zum Beispiel, könne man sich zwar für die Geduld der Wartenden bedanken – nicht aber für das Verständnis: "…das können Sie nicht ohne weiteres voraussetzen." Wer im Restaurant heikle Delikatessen wie Schnecken serviert bekommt, soll sich nach Bonneaus Ansicht übrigens an den Kellner wenden: "Sagen Sie mir, wie das geht?"

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