Abermals ist der begeisterte Judoka Wladimir Putin seiner sportsmännischen Weisheit gefolgt, "zuerst und so hart zu treffen, dass der Gegner nicht mehr aufstehen kann". In der Nacht zum Sonntag schaltete das russische Presseministerium die letzte private Fernsehstation landesweit ab.

Drei kritische Sender, NTW, TW6 und TWS, liegen nun der Reihe nach erledigt auf der Präsidentenmatte - und gleich daneben die demokratische Verfassung des Landes. Putin sorgt sich unterdessen mehr um die körperliche.

Eine halbe Stunde nach dem staatlichen Abpfiff ging ein neuer nationaler Sportkanal mit einem Fußballspiel auf Sendung. Presseminister Lesin erhob den Sport mit einem Mal zu einer "drängenden innenpolitischen Frage". Dass die russische Liga berüchtigt ist für Korruption und die Langeweile abgesprochener Ergebnisse, passte ins Bild.

Rechtzeitig vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen soll der kollektive Dauerlauf den individuellen Gedankengang ersetzen. Das staatliche Fernsehmonopol bietet Einheitsbrot und Spiele. Zur Sicherheit hat der Presseminister noch das Mediengesetz ergänzen lassen: Jede Redaktion, die während des Wahlkampfes "Agitation" für einen Kandidaten betreibt, kann sofort dichtgemacht werden. Putins Spielfeld ist abgesteckt, die Reporter sind mental vorbereitet. Der Präsident beherrscht die grundlegende Fußballerweisheit: "Wichtig ist auf dem Bildschirm."