Wer das deutsche Gesundheitssystem retten möchte, kommt um mutige Entscheidungen nicht herum. Während Politiker noch an den Symptomen herumdoktern, nehmen wir die Reform des Medizinalbereichs bitter ernst. Deshalb schlagen wir vor, nur noch das Sceletus privatus, das persönliche Knochengerüst, in die versicherungspflichtige Grundversorgung aufzunehmen. Jedes arbeitsfähige Gerippe über achtzehn Jahre hat die Pflicht, sich durch osteoporotische Solidarität an an der Minimalversorgung des Gesellschaftskörpers zu beteiligen. Darüber hinaus allerdings steht es jedem Bürger frei, seinen außeranatomischen Restkörperbereich privat zu versichern. Dies kann ganz individuell geschehen; je nach Hobby und Berufsstand sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Nehmen wir ein Beispiel: Die neue Selbstversicherung „Vital“ erlaubt einem deutschen Skiläufer, sich ganz auf die Optimalversorung von Partialzonen wie Muskeln, Sehnen, Bänder zu konzentrieren. Auch gesichtschirurgische Maßnahmen zur Verbesserung des persönlichen Erscheinungsbildes im Après-Ski-Bereich können auf ganzer Breite finanziell abgedeckt werden. Anders dagegen die Weinkenner. Sie gönnen der lieben Leber einen kleinen Risikoaufschlag, während sie ihre preissensible Peripherie (Bauch, Beine, Po) versicherungstechnisch vernachlässigen dürfen. Politiker entscheiden sich je nach Parteizugehörigkeit für die zerebrale Maximalversorgung. Berufskraftfahrer wählen das Optik-Paket, bei Bedarf kombiniert mit einer Basisvorsorge gegen Depotfett in der Bauchregion (Panniculus adiposus). Bankiers-Gattinnen mit angeschlossener Boutique bevorzugen im internistischen Sektor bekanntlich atmungsaktive Wellness-Komponenten; ihren bauchfreien Töchtern hilft entweder eine Schuluniform oder eine Zusatzpolice für Entzündungen im Beckenbereich. In allen Fällen gilt die Faustregel: Nieren und Raucherbeine sind wahlweise einzeln oder rabattiert als Doppel zu versichern. Damit ist der größte Teil unserer Gesellschaft bestens versorgt. Kleinverdiener, Sozalhilfeempfänger, Minderbemittelte, Börsenopfer und Obdachlose benutzen bitte das Standardpaket „Minimax“, in dem eine Hand voll handelsüblicher Körperfunktionen, leider nicht alle, preisgünstig versichert sind. Hals, Nase, Ohren gehen extra; Karies, Fußpilze und andere Zivilisationskrankheiten gehen gar nicht. In menschlichen Notlagen kann das Standardpaket gern auch mit Blut- oder Organspenden gegenfinanziert werden. Im Erlebensfall erhalten die Versicherungsnehmer einen Inflationsausgleich auf ortsübliche Bestattungskosten. Hoffentlich Allianz versichert!