Das im Artikel so hoch gelobte Revised Management Scheme (RMS) hat in der Realität weder die Möglichkeit, den in der Tat erschreckend hohen Beifang von Walen und Delfinen in der Fischerei zu reduzieren, noch kann es die Fortsetzung der japanischen Walfangaktivitäten unter dem Deckmantel der Wissenschaft stoppen. Insofern ist die Schlussfolgerung, dass unter dem RMS weniger Wale getötet würden, falsch.

Auf den ersten Blick mögen die derzeitigen Fangquoten Norwegens für Zwergwale den Bestand nicht gefährden. Doch es ist fahrlässig, angesichts der extrem hohen Belastung der nordatlantischen Zwergwale mit Quecksilber und chlorierten Kohlenwasserstoffen und der damit verbundenen Reduzierung von Fruchtbarkeit und Vitalität der Tiere die von Norwegen eigenmächtig festgesetzten Fangquoten als "nachhaltig" einzustufen. Immerhin ist norwegisches Zwergwalfleisch so stark mit Giftstoffen belastet, dass selbst der ansonsten unersättliche japanische Markt die Importe dieses Sondermülls zurückgewiesen hat. Für die meisten Artenschutzorganisationen gilt: Das Moratorium ist eine der wichtigsten Schutzbestimmungen für Meeressäuger.

Anstatt es zu schwächen und klein zu reden, sollten Naturschützer im Schulterschluss für dessen weitere Stärkung eintreten!

Dr. Sandra Altherr Pro Wildlife e. V., München

Die in Europa leider sehr parteiische Debatte über die "bösen Walfangländer" ist einfach nur traurig. Zentral organisierte Moratorien oder ein schlechtes Ressourcenmanagement sind nicht nur sündhaft teuer, sie können auch verheerende Wirkungen entfalten, etwa einen unkontrollierbaren, "geheimen" Raubbau.

Der Artikel in der ZEIT war in diesem Sinne sehr erfrischend.

In der Nähe des Fischerdorfes, dessen Ressourcenmanagement ich für meine Dissertation näher untersuche, befindet sich die Stadt Ayukawa, einst ein florierender Walfanghafen. Heute, mehr als 15 Jahre nach dem Walfang-Moratorium, gleicht sie einer Geisterstadt. Lustig und lästig sind vor allem verwegene Öko-Fundamentalisten, die als Backpacker die fast nur noch von alten Menschen bevölkerte Stadt besuchen, um dort gegen den Walfang zu protestieren. Das ist ungefähr so, als wenn japanische (oder norwegische) Rucksack-Öko-Touristen bei einem englischen Bauern, dessen Herde vor einiger Zeit vollständig "eliminiert" wurde, gegen BSE und die industrielle Landwirtschaft protestieren.