Auf der Biennale in Venedig gönnte man Martin Kippenberger nur einen bescheidenen Auftritt. Ein karger Lüftungsschaft, mehr war von ihm im Deutschen Pavillon nicht ausgestellt. Doch das reichte, um auf der 34. Art Basel geradezu einen Run auf das Werk des bereits 1997 Verstorbenen auszulösen. Die Arbeiten des intelligenten Anarcho-Spötters ließen sich bestens an die Sammler bringen – und dies bei Preisen bis zu 300000 Euro. Aber nicht nur Kippenberger war in Windeseile so gut wie ausverkauft: Die Messe mit einem luxuriös-prächtigen Angebot in den Sparten Moderne und zeitgenössische Kunst war auch sonst ein voller Erfolg. Ob damit allerdings auch die lange Zurückhaltung vieler Sammler beendet ist, bleibt abzuwarten. Aber immerhin, nun müssen sich die Händler mit neuer Ware eindecken.

Das Kunstmarktkarussell könnte so dank der Euphorie auf der Art Basel wieder in Fahrt kommen. Was angesichts leerer Lager zur Folge hätte, dass auch die Künstler aufgefordert würden zu produzieren. Darunter Szene-Stars wie Neo Rauch oder Carsten Nicolai, deren Bilder bei der Berliner Galerie Eigen + Art nicht lange zum Verkauf standen. Auch Uwe Kowski, von dessen neun mitgebrachten Gemälden Galerist Gerd Harry Lybke bereits in den ersten beiden Tagen acht veräußert hatte, ließe sich hier nennen.

Wie ein warmer Regen legte sich die Kauffreudigkeit über die 58 deutschen Galerien. Die Deutschen waren stärker vertreten als die Galerieszenen aller anderer Länder, aus den USA kamen 53 Aussteller, insgesamt waren 270 Galerien aus aller Welt vertreten. Der Erfolg war Labsal für die derzeit eher paralysierte Kunstmarktgeschäftigkeit. "Man wusste ja gar nicht, wie sich das Geschäft auf der Art entwickeln würde", sagte die Frankfurter Galeristin Wilma Tolksdorf. Tolksdorf hat seit Jahren erfolgreich mit den Becher-Schülern Thomas Ruff, Jörg Sasse und Axel Hütte gehandelt. "Ich habe also vorweg versucht, viel zu verkaufen, um mir diese Teilnahme zu leisten", sagt sie. Aber dann griffen private Sammler und Unternehmen beherzt zu: Die Schweizerische UBS Bank entschied sich für einen großen C-Print von Jörg Sasse für ihr neues Firmengebäude in Mailand. Für den in Berlin ansässigen Spezialisten für Vintage-Prints und zeitgenössische Fotografie Rudolf Kicken, der seinen Stand unter den Titel "Typologien" mit Arbeiten von August Sander bis Dieter Appelt gestellt hatte, war die 34. Art die beste aller Zeiten.

Martin Klosterfelde aus Berlin registrierte nicht nur ein Interesse an seinen Stars wie John Bock, Christian Jankowski oder Dan Peterman, sondern auch an der Auseinandersetzung mit dem noch nicht so Bekannten. Er verkaufte "durch die Bank gut", vor allem auch an neue Kunden aus Lateinamerika, Griechenland, Belgien und Italien. "Da hat sich regional etwas verschoben", sagt er.

Im Erdgeschoss sind traditionsgemäß die ganz großen Klunker der Moderne präsent, bei Pace Wildenstein aus New York etwa die 18 Millionen Dollar teure Komposition in Rot, Gelb, Blau von Piet Mondrian (1935/42). Der Münchner Galerist Daniel Blau aus München konnte schnell Interessenten für zwei Porträts von Andy Warhol gewinnen. Zwischen 100000 und 600000 Euro wollte die Kölner Galerie Gmurzynska für Gemälde und Collagen von Georges Braque, Kurt Schwitters, Jean Fautrier und Yves Klein. Geschäftsführer Mathias Rastorfer: "Alle wichtigen Museumsleute aus den Staaten waren gekommen, vom Museum of Modern Art in New York bis hin zum Guggenheim Museum. Da sind Anschlussverkäufe nicht ausgeschlossen."

Trotz des Riesenangebots auf der Art Basel gingen die über 1000 Lose mit Werken der klassischen Moderne auch bei der parallel in Bern laufenden Auktion der Galerie Kornfeld fast ohne Rückgänge in neuen Besitz über. Das auf 500000 Schweizer Franken geschätzte Spitzenlos, das Aquarell mit Deckfarben Mädchen mit Schirm von Egon Schiele aus dem Jahr 1916, kletterte auf 860000 Schweizer Franken. Ernst Ludwig Kirchners Kreidezeichnung Zwei Frauen, in einem Variété in Dresden von 1907/08 erreichte mit 880000 Franken mehr als das Vierfache der Taxe. Für 160000 Franken wurde Max Ernsts La Terre vue de Uranus, eine blau-schwarze Ölmalerei auf Holz von 1956, zugeschlagen. Zwei Werke des Dadaisten Max Ernst konnte auch der Berliner Galerist Dieter Brusberg in einer Private-Public-Partnership-Aktion lancieren. "So gut es hier gelaufen ist, so euphorisch die Stimmung war", sagt Brusberg, "der katastrophale Alltag in den deutschen Galerien lässt sich damit nicht schönreden."