die zeit: Die Memoiren von Hillary Clinton sorgen weltweit für Aufsehen. Sind auch Sie fasziniert?

Katrin Göring-Eckardt: Ich werde das Buch auf jeden Fall lesen. Die Mutation von einer mithelfenden Ehefrau zur eigenständigen Politikerin finde ich spannend. Hillary Clinton hat zwar immer auch als First Lady Politik gemacht. Aber es gehört etwas dazu, zu sagen: Ich bin jetzt dran, und Bill geht so lange Kaffee trinken.

Angela Merkel: Ich habe mir das Buch in London besorgt und werde versuchen, es auf Englisch zu lesen. Ich bin Hillary Clinton einmal in meiner Zeit als Frauenministerin begegnet. Später fand ich es mutig, dass sie sich als Frau des Präsidenten das Thema Gesundheitspolitik auf die Fahnen geschrieben hat. Und ich werde das Fernsehinterview während der Lewinsky-Affäre nicht vergessen, in dem sie sich als loyale Ehefrau gezeigt und damit ihrem Mann entscheidend geholfen hat. Das war ein starker Auftritt.

zeit: Hatten Sie Mitleid?

Merkel: Ich habe gedacht: Gute Nerven!

zeit: Können Sie sich Frau Clinton als erste amerikanische Präsidentin vorstellen ?

Merkel: Ja, durchaus. Aber sie hat ja gesagt, sie wolle nicht antreten.