Geht es nach der IG Metall, wird der Konflikt um kürzere Arbeitszeiten im Osten Deutschlands noch an diesem Wochenende beendet sein. Und geht es nach Gewerkschaftschef Klaus Zwickel, werden die Metaller dabei Kompromisse anbieten, die bis vor kurzem noch undenkbar waren: Zwar soll es bei einem mehr oder minder verbindlichen Stufenplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche bleiben. Ein Teil der kürzeren Arbeitszeit, so Zwickel, könne aber zur regelmäßigen beruflichen Qualifizierung der Mitarbeiter verwendet werden - so, wie es bei Volkswagen im Pilotprojekt 5000 x 5000 schon jetzt der Fall ist. Auch dem Ansinnen der Arbeitgeber, Wissenschaftler darüber mitbestimmen zu lassen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Verkürzung der Arbeitszeit gekommen ist, will sich die Gewerkschaft nicht mehr vollends verschließen: Sie sollen zwar nicht entscheiden, aber immerhin "beraten" dürfen.

Im Klartext: Das von den Metall-Hardlinern rund um den designierten Zwickel-Nachfolger Jürgen Peters angestrebte Modell der ostdeutschen Stahlbranche, in der die 35-Stunden-Woche bis 2009 eingeführt werden soll, wird in Ostdeutschlands Metall- und Elektroindustrie nicht Wirklichkeit werden. Peters scheiterte nicht nur an einem quer durch Politik, Wissenschaft und Medien gehenden Trommelfeuer gegen den Streik. Er scheiterte auch an Widerständen und Kritik in den eigenen Reihen. Vor allem die mächtigen Betriebsräte aus der Automobilindustrie machten Druck.

Mit gutem Grund: Aufgrund der engen Verzahnung der Hersteller mit ihren Zulieferern und Zweigwerken führten die Streiks auch zu Produktionsausfällen in westdeutschen Werken. Bei BMW mussten schon am Montag 10 000 Beschäftigte zu Hause bleiben, und auch bei VW werden Ende dieser Woche bis zu 8000 Beschäftigte in Kurzarbeit gehen, wenn Zulieferungen aus den sächsischen VW-Werken weiter ausbleiben. Allerdings sind etliche VW-Bänder aufgrund der flauen Nachfrage ohnehin nicht ausgelastet. Dennoch ärgert die Auto-Betriebsräte der Streik-Kurs der IG-Metall-Führung. Für "Solidaritätsaktionen" in westdeutschen Werken sei, so der Betriebsratschef eines großen Herstellers, angesichts der flauen Autokonjunktur und des harten Konkurrenzdrucks an der Basis kaum Verständnis zu wecken. Statt die Eskalation voranzutreiben, hätten sich die Praktiker schon viel früher "intelligente Konzepte" wie etwa die jetzt von Klaus Zwickel ins Gespräch gebrachten Vereinbarungen zur Qualifizierung gewünscht.

Aber selbst wenn es mit Zwickels Hilfe zu einer Einigung kommt - der Image-Schaden, den sich die IG Metall in den vergangenen Wochen selbst zugefügt hat, wird so schnell nicht wieder zu reparieren sein. Zwar trugen auch die Arbeitgeber - vor allem die aus Sachsen - mit ihrem unflexiblen Nein zu jeder Arbeitszeitverkürzung ein gehöriges Maß Schuld an der Eskalation.

Mehr als alle anderen ist allerdings Jürgen Peters verantwortlich. Als "Geisterfahrer" wurde er beim Spitzentreffen mit 80 Betriebsräten am Montag in Frankfurt beschimpft. Vielleicht werden sich die Metall-Delegierten daran erinnern, wenn sie ihn auf dem Gewerkschaftstag im Oktober zum Nachfolger Klaus Zwickels wählen sollen. Zwickel übrigens war von Anfang an gegen den Kurs, den Peters und einige seiner Getreuen dann schließlich durchsetzten.