Es sind minimale Veränderungen im Kosmos von Ken Loach, kleine Farbtupfer, die das sozialkritische Kino des Engländers hin und wieder mit neuen Nuancen oder Blickwinkeln versehen und verjüngen. Fast immer steht die Arbeiterklasse im Zentrum seiner Filme. Es sind Geschichten über die Unterprivilegierten, über Menschen, die fast alles verloren haben oder eben noch nie etwas hatten.

Auch Liam (Martin Compston) ist einer dieser Helden: Noch nicht einmal sechzehn Jahre alt, scheint sein Weg schon programmiert. Die Schule im schottischen Küstenkaff Greenock hat er seit Monaten nicht mehr besucht. Die drogenabhängige Mutter sitzt im Gefängnis. Sein Stiefvater neigt zur Gewalt und dealt mit Drogen. Es ist eine karge, trostlose Welt, die Ken Loach und sein Drehbuchautor Paul Laverty in Sweet Sixteen zeigen, ein Land und eine Jugend, von Gott und Staat vergessen. Wer hier aufwächst, hat verloren.

Was ist verständlicher, als in diesem Milieu des Verbrechens, der Arbeitslosigkeit und der Sucht von einem normalen Leben zu träumen? Für seinen sechzehnten Geburtstag hat sich Liam ein hehres Ziel gesetzt: Wenn seine Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird, will er mit ihr und seiner älteren Halbschwester eine intakte Familie bilden. Ein Wohnwagen auf einer Klippe verkörpert für ihn dieses Ideal.

Es hat etwas Rührendes, wenn Liam seinem besten Freund Pinball dieses kleinbürgerliche Eden beschreibt – mit Mikrowelle, Fernseher und einem "Tisch, an dem sechs Menschen Platz haben". Mehr braucht man nicht, sagt er einmal, und er würde für die Erfüllung dieses Traums wohl alles tun. So wird er selbst zum Dealer und zum Kleingangster und verspielt seine minimale Chance.

In der Kombination langer Einstellungen und unruhiger Handkameraaufnahmen schafft Ken Loach eine dokumentarische Ästhetik, die sich seinem Helden äußerst behutsam nähert. Aber die Offenheit der dokumentarischen Form lässt uns nicht im Unklaren über die Richtung, in die der Regisseur seine Geschichte führen will. Die Umstände, so legt er uns nahe, sind oftmals stärker als jeder Wille zur Veränderung. In diesem Kosmos ist der Regenbogen, der für einen Augenblick über der Vorortsiedlung aufscheint, ebenso trügerisch und fahl wie der Glamour des lokalen Mafiosos.