Die Verschwörung gegen den Osten hält an. Schon nach der Wende sorgten gerade die Gewerkschaften dafür, dass in der Ex-DDR kein Konkurrenzvorteil gegenüber dem Westen entstehen konnte. Wie eine Ladung Blei wurden dem Osten die Regulierungen des Westens aufgezwungen, dazu der rapide Lohnangleich, der kraft weit hinterherhinkender Produktivität die Ostdeutschen zur wachsenden Arbeitslosigkeit verdammte. Die Folge: Ostdeutschland als Dauer-Sozialfall.

Dass es so bleibt, dafür müht sich nun die IG Metall mit ihrem ebenso widersinnigen wie zynischen Streik für die 35-Stunden-Woche. Sie plaudert von "Gerechtigkeit" (gleiche Arbeitszeit für Ost und West), schafft aber neues soziales Unrecht. Denn: Obsiegen die trillernden Rotkappen, wird Folgendes geschehen. Entweder gehen erneut Jobs perdu, weil ein Minus von drei Arbeitsstunden ein Plus von fast neun Prozent beim Lohn ausmacht. Oder die Unternehmen quetschen, wenn's gelingt, mehr Mehrwert ("Arbeitsverdichtung") aus ihren Leuten heraus. Das erhöht den "Ausbeutungs"-Quotienten, aber bestimmt nicht die Zahl der Arbeitsplätze.

Mithin: Die IGisten, genauer: ihre Blockadeposten aus dem Westen, streiken für mehr Arbeitslosigkeit und/oder "Verdichtung", zugleich aber auch für die Vernichtung eines der letzten Konkurrenzvorteile des Ostens. Das ist irrational - und geradezu unpatriotisch obendrein. Es werden sich freuen die Tschechen, die nebenan für ein Fünftel des Lohnes arbeiten. Gar nicht freuen darf sich der gesamtdeutsche Steuerzahler, der die neuen Langzeitarbeitslosen mit Sozialhilfe wird entlohnen müssen.