Minderheitenförderung ist nicht umgekehrte Diskriminierung, also Rassismus. So lautet der Tenor eines Urteils des amerikanischen Verfassungsgerichts. Solange Weiße nicht durch starre Minderheitenquoten oder mechanische Bonussysteme benachteiligt werden, dürfen Hochschulen ihre "Affirmative Action"-Programme fortsetzen, sprich: überdurchschnittlich viele Schwarze, Latinos und Indianer aufnehmen.

Die Bedeutung dieses Urteils liegt in seiner Begründung. Sie könnte - und sollte - weit über Amerika hinaus zur Orientierung dienen. Denn die Richter haben die Prinzipien der Minderheitenförderung quasi entamerikanisiert. Nicht länger geht es darum, die Folgen der Sklaverei auszugleichen. Das Urteil beschreibt vielmehr die Bedingungen einer modernen multiethnischen Gesellschaft: "Tatsächliche Teilhabe von Mitgliedern aller rassischen und ethnischen Gruppen am zivilen Leben unserer Nation ist unerlässlich, wenn der Traum von der einen, unteilbaren Nation wahr werden soll. (...) Um Führungspersonal heranzuziehen, das in den Augen aller Bürger Legitimität genießt, muss der Pfad zur Spitze für talentierte und qualifizierte Individuen aller Ethnien erkennbar offen bleiben." Die Richter erkennen "Vielfalt" als Bildungsziel aus eigenem Recht an. Wenn jedes Hochschulseminar aussieht wie die Gesellschaft, profitieren alle. Nur dann, heißt es im Urteil, seien Hochschule und Gesellschaft "stärker als die Summe ihrer Teile". Diese Prinzipien gehen weit hinaus über die in Deutschland akzeptierten Grundsätze der Nichtdiskriminierung.