"AwopBopaLooBopALopBamBoom." Das ist der grässlich-schöne Urschrei des Rock.

Damit hatte der Gitarrist, Komponist, Autor und Zeichner nichts zu tun. Er war eher das Gegenmodell zum Exorzismus und Exhibitionismus eines Mick Jagger. Verglichen mit dessen aufgerissenem Maul, wirkte Kriegel wie der Erfinder des Schweigens. Ein fieses Bonmot lautet: Musiker sind etwas unterbelichtet. Aber nicht Volker Kriegel, diese umwölkte Lichtgestalt! Er war geradezu das Paradebeispiel für einen Künstler, der "seine Anlagen leuchten ließ". Um mit Rühmkorf zu sprechen. Als Zeichner war Kriegel ein Seelenbruder des Franzosen Sempé. Dessen federleichte Grafiken scheinen sich in den Kriegelschen Blättern fortzusetzen, im Rock 'n' Roll König wie in den unglaublichen Olaf, der Elch-Bänden (Eichborn). Tomi Ungerers Bluträusche mit Riesen, die kleine Mädchen aufessen, wird man bei beiden nicht finden. Und Kriegel war kein krachender Musiker, der in die Saiten beißt. Sein Mild Maniac Orchestra spiegelte die Contenance ihres gebildeten Leiters. Volker Kriegel hat immer sein Publikum geachtet. Er hat es nie abgewatscht. Als ich seinerzeit ein Konzert mit ihm auf dem flachen Land veranstaltete, dort, wo die Krähen rückwärts fliegen, hatten wir ein bizarres Erlebnis. Das Publikum war begeistert. Diese Mischung aus Bauern, Hausfrauen, Feuerwehrleuten, Kindern und Bezechten strömte nach vorn zur Bühne. Und sie sprachen: "Jau, wenn dat Rockdschäss is, denn wull wie dat hebben, jau!" Kultur sprießt kräftig auf dem flachen Land. Wo man weder Bach noch Brecht, noch Basie kennt. Dafür aber Marianne Rosenberg. Volker Kriegel, der Held des Volkes?

Nicht ganz. Hinter seiner sozusagen "lächelnden" Musik nistete ein melancholischer Geist. Einmal hat Volker Kriegel gesagt: "Kommunikativ sollte die Musik sein, ohne sich auf Klischees zu stützen. Sensibel sollte sie sein, ohne esoterische Verstiegenheit. Intelligent ohne Zeigefinger und Elfenbeinturm. Verständlich, aber nicht banal. So pathetisch es klingen mag: Im Jazzrock steckt die Chance zur Versöhnung von Körper und Geist." Volker Kriegel starb am 15. Juni im Alter von 59 Jahren.