die zeit: Selten war ein Streik so unpopulär wie der Ausstand der IG Metall in Ostdeutschland. Auch innerhalb der Gewerkschaft gibt es Zoff über die Strategie. Zufrieden?

Martin Kannegiesser: Ich bin nicht zufrieden, ich bin betroffen. Der Arbeitskampf trifft einige Betriebe ganz stark. Dabei hat man sich mit der Autoindustrie eine Branche ausgesucht, die zu den Hoffnungsträgern im Osten zählt. Dass wir jetzt in einer solchen Zerreißprobe sind, macht mich überhaupt nicht froh.

zeit: Die IG Metall steht jedenfalls unter erheblichem Druck. Glauben Sie, dass die Hardliner in der Gewerkschaft - allen voran ihr designierter Vorsitzender Jürgen Peters - ihre Macht überschätzt haben?

Kannegiesser: Das lasse ich mal dahingestellt. Die Entscheidung, sich unsere Branche im Osten für eine solche Auseinandersetzung auszusuchen, zeugt allerdings von fehlender Einsicht in wirtschaftliche Notwendigkeiten und mangelnder Fähigkeit, mit Regionen, Branchen und Konjunkturentwicklungen differenziert umzugehen.

zeit: Hat die IG Metall Kredit als Verhandlungspartner verspielt? Mit Jürgen Peters werden Sie ja weiter umgehen müssen. Hat der Konflikt im Osten künftige Verhandlungen schwieriger gemacht?

Kannegiesser: Auf den ersten Blick ist das ohne Frage so. Eine Organisation, die die Gesundheit einer Region so aufs Spiel setzt und sich allein von kurzfristigen Interessen leiten lässt, muss man mit Skepsis betrachten.

Andererseits haben wir in der letzten Zeit mit der IG Metall wirklich schwierige Probleme gelöst. Stichwort Angleichung der Einkommen von Arbeitern und Angestellten, Stichwort betriebliche Altersvorsorge. Aber wie man auf Gewerkschaftsseite mit den Problemen des Ostens umgeht, ist inakzeptabel.