Am Abend des 7. Januar 1994 erleuchtete ein Feuerwerk den Himmel über Berlin. Etwa 1500 geladene Gäste feierten im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt die Gründung der Bankgesellschaft Berlin. Nach den Vorstellungen der Politiker sollte das Geldinstitut zum Global Player wachsen und – zum Wohle aller, versteht sich – die Landeskassen füllen.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Anfang 2001 stehen führende Bankmanager im Verdacht, gegen Parteispenden millionenschwere Kredite verschleudert zu haben. Mit der Bankgesellschaft Berlin verbindet sich heute der größte Wirtschaftsskandal in der Geschichte der Bundesrepublik, schreibt der Journalist Mathew D. Rose in seinem neuen Buch . Darin schildert er, wie die "Berliner Oligarchie" mit der Bankgesellschaft einen beispiellosen Raubzug durch die öffentlichen Kassen unternahm.

Weil einige der Protagonisten um ihren Ruf fürchten, haben die Enthüllungen die Gerichte beschäftigt. So erstritt der Immobilienhändler Manfred Schoeps ein vorübergehendes Auslieferungsverbot des Buches. Er sah sich durch den Titel Eine ehrenwerte Gesellschaft in die Nähe der Mafia gerückt und damit seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Nach dem Widerspruch des Verlages darf das Buch zwar weiterhin unter dem alten Titel erscheinen. Vier Stellen im Text, die Schoeps monierte, müssen aber geschwärzt werden. Dass das Buch bislang im Wesentlichen vor den Richtern bestand, dürfte auch mit den Erfahrungen des Autors im investigativen Journalismus zu tun haben.

Folgt man ihm, so wurde die Bankgesellschaft vor allem für die Versorgung der "Klientelwirtschaft" mit Posten, Aufträgen und Krediten gegründet. Um die nötigen Milliarden zu verdienen, legte die Bank in den neunziger Jahren geschlossene "Sorglos"-Immobilienfonds auf. Obwohl die Immobilienhausse nach der Wiedervereinigung vorüber war, gaben die Manager luftige Rendite-Garantien. Den Anlegern wurden für meist 25 Jahre feste Ausschüttungen aus den Mieten versprochen. Außerdem wurde ein Extrazuckerl versprochen. Wenn die Immobilie nach 25 Jahren im Wert gesunken sei, zahle die Bank die Fondsanteile zu 100 Prozent zurück.

Tausende stürzten sich auf die Vollkasko-Anlage und zahlten 13 Milliarden Euro ein. Zu den eifrigen Abstaubern der Schnäppchen gehörten die Bankvorstände selbst, Politiker und Baulöwen – Berlins "Beutegemeinschaft". Dass die teuren Garantien nicht eingelöst werden können, ist einkalkuliert. Warum auch? Für die Mietgarantien der leer stehenden "Schrottimmobilien", so das Urteil eines Insiders, haftete die staatliche Bank und damit das Land Berlin mit Steuergeld. Die rot-rote Regierung übernahm 2002 mit Billigung der CDU eine Bürgschaft für 21,6 Milliarden Euro. Diese Umverteilung öffentlichen Geldes auf private Konten dürfte einmalig sein.

Die Schuld am Bankenskandal tragen laut Rose vor allem vier Gruppen: Neben den Berliner Politikern und den Bankmanagern sind das die Wirtschaftsprüfgesellschaften und das damalige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (heute Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht). Rose weist nach, dass die Gefahren der Immobilienfonds bekannt waren. Bereits 1997 monierte ein Wirtschaftsprüfer Bilanztäuschung und unkalkulierbare Risiken, die von der Bank womöglich nicht allein bewältigt werden könnten.

Das Versagen aller Kontrollinstanzen und die Dimension der betrügerischen Geschäfte lassen nur den Vergleich mit dem amerikanischen Enron-Skandal zu. Doch während dieser von Politikern, FBI und Journalisten durchleuchtet werde, blieben die Vorgänge um die Bankgesellschaft in dichten Nebel gehüllt, schreibt Rose. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss ist von CDU und SPD dominiert, die als Mitschuldige des Skandals wenig Interesse an Aufklärung hätten. Auch die Staatsanwaltschaft lasse die Finger von der "ehrenwerten Gesellschaft". Der einzig saubere Ausweg, die Insolvenz der Bankgesellschaft, sei mit der Übernahme der Milliardenbürgschaften durch das Land vorerst verbaut.

Die Stärke dieses Buch liegt darin, dass es die verstreuten Informationen zusammenfügt. Erst jetzt kann man sich ein angemessenes Bild über die Raffgier der „Oligarchie“ machen. Die wirkt umso schamloser, als in der hoch verschuldeten Hauptstadt Bäder geschlossen und Subventionen für Schulbücher gestrichen werden.