Das Erste, das Letzte, das Ein und Alles - Barry Whites Lebensthematik war von solch monumentaler Größe, dass es nur durch radikale Reduktion aufs Wesentliche fassbar gemacht werden konnte. Ein Discobeat, ein wenig synthetische Schwüle, zwei, höchstens drei Akkorde genügten, um Hits wie You're the first, the last, my everything oder Let the music play formal zusammenzuhalten. Die Kunst lag im Vortrag, in der Haltung und natürlich in der Stimme, die das Pathos eines schwarzen Predigers mit dem weltlichen Wissen eines abgebrühten Sugardaddys vereinigte. White, gern als "Walross der Liebe" belächelt, war in Wahrheit der letzte Vertreter des Bibel- und Historienschinkens in einer an Charakterdarstellern arm gewordenen Disco-Soul-Szene. Der Mann, der unter wenig günstigen Umständen aufwuchs, versorgte Schwule, alleinstehende Urbane und andere arme Seelen drei Jahrzehnte lang mit etwas, das sie in ihrem Leben vermissten. Auf dem Gebiet hinterlässt Barry White, der am vergangenen Freitag 58-jährig in Los Angeles an Nierenversagen starb, mehr als eine Marktlücke.