Beginnen wir einmal am Ende des Buches – mit dem Register: Florian Illies’ Kassenschlager Generation Golf aus dem Jahr 2000 reichte von "A" wie "Abba" bis "Z" wie "zwölfte Klasse". Im Nachfolgeband Generation Golf zwei lautet der erste Eintrag im Register "Abfindung" und der letzte "11. September".

Es ist also einiges passiert in den vergangenen drei Jahren. Der Ernst ist eingebrochen in die Lebensläufe, die Illies in Generation Golf mit der "trägen Bewegungslosigkeit eines gutgepolsterten Sonntagnachmittags" verglich. Börsencrash, Rezession und bin Laden haben die zwischen 1965 und 1975 (im Westen Deutschlands) Geborenen in ihrem gelangweilten Hedonismus kalt erwischt. "Unsere Generation hat bisher ja, wie es sich für eine ordentliche Jugend gehört, geglaubt, dass das Beste noch vor uns liege", schreibt Illies nun. "Doch plötzlich beginnen wir zu ahnen, dass wir das Beste vielleicht schon hinter uns haben." In tiefe Sorge scheint das den Autor nicht zu stürzen, was kein Wunder ist, weil in seiner Welt der wirtschaftliche Absturz schlimmstenfalls dazu führt, dass der alte Golf ein bisschen länger halten muss und man künftig seltener zum Italiener geht.

Illies selbst ist heute nicht mehr leitender Redakteur der FAZ, sondern "lebt als Autor in Berlin", wie es auf dem Klappentext heißt. In seinem Buch beschreibt er, wie seine Generation lernen musste, "nach möglichst harmlosen Synonymen für die Wörter ,Entlassung‘ und ,Rausschmiss‘ zu suchen", denn heutzutage sei ja die Frage ziemlich wichtig, wie man es den Eltern und den Freunden und überhaupt "den anderen" beibringt. Das alles soll selbstironisch wirken, klingt aber eher gequält. Die launige Sprache aus Generation Golf, die einem Leben zwischen Bravo, Nena und Nutella entsprang, passt nicht mehr zu der veränderten Welt. Doch einen neuen Ton hat Illies nicht gefunden. Immerhin ist er "bestürzt über die Nassforschheit" von Donald Rumsfeld, flüchtet aber sogleich in saloppes Plaudern über dessen randlose Brille und endet bei – Fielmann. Ernsthaftigkeit ist uncool, man begegnet ihr entweder mit Zynismus oder mit frühreifer Abgeklärtheit. Besonders deplatziert wirkt das ständige "wir" beim 11. September: "Was für ein schreckliches Gefühl, dass es das Gebäude, auf dessen Dach wir einmal standen, nicht mehr gibt."

So ist das Buch wenig mehr als ein Lamento über die Wehwehchen einer verwöhnten Generation – bestenfalls belanglos, gelegentlich peinlich. Da sitzen wir mit Justin, Carolin und Annabelle beim Brunch und jammern darüber, dass es bei H&M "ja nur noch Pyjamas mit Snoopys drauf" gibt, bedauern, dass man von den Fotos der neuen Digitalkamera keine vernünftigen Papierbilder mehr bekommt, trauern unseren abgesoffenen chinesischen Internet-Aktien hinterher, mäandern durch Tage, deren aufregendstes Ereignis der Lärm einer "Cargojeans mit den tausend Knöpfen bei eintausendzweihundert Umdrehungen" in der Waschmaschine ist. Nebenbei kommt heraus, was der gut 30-jährige Mann tut, wenn er ein "Aufputschmittel" braucht: Er zieht "als erstes ein frisch gebügeltes Hemd" an.

Die Generation Golf erschien im Jahr 2000 kurz bevor die Spekulationsblase platzte und die Talfahrt begann. Es zelebrierte ein Gefühl in dem Moment, als es anfing, Vergangenheit zu werden. So betrachtet, ist Illies’ neues Buch möglicherweise ein Hoffnungszeichen.

π Florian Illies: Generation Golf zwei Karl Blessing Verlag, München 2003; 256 S., 16,90 ¤