Wenn für eine Woche auf Sylt nur 299 Euro in der Kasse sind, also inklusive An- und Abfahrt, Übernachtung, Verpflegung und Belustigung, dann zählt jeder Cent. Und wenn jeder Cent zählt, dann stellt sich die Frage, wie Vorleistungen zu bewerten sind. In meinem Fall waren es die beiden Brausetablettenröhrchen, die ich zu Hause stehen hatte: Bei Schlecker hatten sie je 66 Cent gekostet und waren noch fast voll. Musste ich sie mitrechnen? Nein – auch wenn sie mir in den nächsten Tagen sehr nützlich sein sollten: Jeder in meiner Fahrradtrinkflasche mit Leitungswasser angesetzte Calcium- und Magnesium-Sprudel würde mir eine teure Apfelschorle auf Sylt ersparen.

Ich packte dann noch Tee und eine Kanne in meine Satteltaschen, die Sonnencreme vergaß ich, sie schlug später mit 3,89 Euro völlig unnötig zu Buche. Aber gut, jede Reise beginnt mit Streuverlusten.

Montagvormittag radelte ich gemütlich durch Hamburg zum Altonaer Bahnhof. Auf dem Bahnsteig Richtung Westerland treffe ich auf Marius, Katharina und Birte, die von ihrem Papa in den Zug gesetzt werden. "Wir fahren alleine, weil sich unsere Eltern geschieden haben", erklären sie mir nicht ohne Stolz. Die drei sind mit einem Schleswig-Holstein-Ticket unterwegs – das kostet 21 Euro und gilt für bis zu fünf Personen samt Rädern. Ich beteilige mich mit 5 Euro.

Frohgemut fuhr ich auf Sylts schönen Radwegen in Richtung Süden, als mit einem Mal alle Kraft aus dem Vorderreifen wich. Platt! Mist. Zwar hatte ich einen Reserveschlauch dabei (auch so eine Vorleistung), aber es klafften zwei große Löcher im Mantel. Zudem konnte ich das Rad nicht ausbauen, da sich der Schlüssel aus meinem Pannenset butterweich um die Mutter drehte – billiges Werkzeug.

Ich schob mein Rad zur Werkstatt und zahlte für eine neue Decke 29,90 Euro, ein Zehntel meines Budgets! Als ich den Händler um einen Rabatt fragte, lachte er trocken: "Davon leben wir."

Das Zimmer in Hörnum – 20 Euro ohne Frühstück – hatte ich tags zuvor unter www.sylt-aktuell-frei.de aus dem Internet gefischt. Ich fand den Schlüssel im telefonisch angegebenen Versteck, der Vermieter vertraute dem fremden Gast, von dem er nur die Handynummer wusste.

Das Haus war so ein Bastelhaus, wo auf jeder Außenwand Kabel aus dem Mauerwerk hängen und nachträglich montierten Fernsehantennen und Satellitenschüsseln zustreben. Hinein geht es durch eine Vorratskammer mit Bierdosenpaletten und Gartengeräten, dann kommt ein wohnzimmerartiger Wintergarten mit Plattenspieler und fleckigen 70er-Jahre-Taschenbüchern (Eric Malpass: Als Mutter streikte). In Zimmer Nummer 6 unterm Dach riecht es muffig, aber das Bett ist frisch bezogen und das Etagenbad samt Dusche blitzsauber. Im Flur steht ein Kühlschrank, in dem andere Feriengäste ihren Aufschnitt zu akkuraten Ensembles formiert haben.

Mein Vermieter erweist sich als ein älterer, herzensguter Mann, der Schallplatten liebt, nicht aber Negermusik. So ähneln wir uns und sind doch verschieden. Er gibt mir einen Wasserkocher, damit ich mir Tee machen kann, dazu Teller und Besteck – für Frühstück und Abendbrot reicht’s. Wie lange ich denn bleiben wolle? Eine Woche vielleicht… Na, sagt er, das Zimmer sei frei; ich könne es mir ja noch überlegen.