Der Hotelbesitzer ist irritiert. Vermutlich hat noch nie eine Touristin so entsetzt geschaut wie ich, als er die mallorquinische Ökosteuer kassieren will. Er verlagert sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und wieder zurück, sieht dabei aus wie ein ratloser, etwas fülliger Charlie Chaplin. "Ökosteuer", sagt er noch mal ganz langsam. "Sie müssen 3,71 Euro Steuern zahlen, für die Umwelt. Verstehen Sie denn nicht?" Doch, doch, ich verstehe schon. Aber wenn man für eine Woche Mallorca nur 30 Euro in der Tasche hat, klingt diese Umweltschutzmaßnahme bedrohlich.

Mehr als 30 Euro trage ich nicht bei mir. Das einzige Pauschalangebot unter 299 Euro, das ich auf die Schnelle finden konnte, war eine Woche Malle für 269 Euro – inklusive Flug, Hotelzimmer und Frühstück. Ist doch spannend, dachte ich zu Hause, wenn man einen Touristenort mit nur 30 Euro bereist. Jetzt sind schon bei der Ankunft 3,71 weg, und ich verbringe den ersten Tag damit, panisch die Lebensmittelpreise der örtlichen Supermärkte zu vergleichen: eine Packung Toast 1,03 Euro, Streichkäse 0,93 Euro, zwei Flaschen Wasser à 0,26 Euro – das ist das Billigste, was nach einer Mahlzeit aussieht. Macht 2,48 Euro pro Tag. Durchkommen kann man so. Aber zumindest kulinarisch wird der Urlaub nicht aufregend.

Leider ist es auch sonst nicht spannend in Cala Ratjada im Nordosten Mallorcas. Kneipen, Boote, Mountainbikes, eine Tauchstation und ein Safaripark im Umland – solche Dinge gibt es für Touristen mit Geld. Touristen ohne Geld können nur an den Hafen oder den Strand gehen und dann dort sitzen. Nach einem Tag Sitzen habe ich einen Sonnenbrand, den Touristen mit Geld beim Eisessen und Bootfahren zugesehen und dabei beachtliches Selbstmitleid entwickelt. So wird das nichts.

Ich beschließe zu arbeiten – nicht für Geld, sondern für freien Eintritt. Der Bus zum Safarizoo kostet 2,25 Euro; aber die zahle ich gern, um bei Tigern oder Watussirindern auszumisten und dann umsonst den Park zu besichtigen. "Wir dürfen Sie hier nicht arbeiten lassen", sagt der Mann an der Kasse, "was ist, wenn Sie von einem Löwen gebissen werden?" – "Sie haben doch auch Kaninchen, dann kümmere ich mich eben um die." – "Kaninchen beißen auch." Einen Zettel mit meiner Anschrift behält er zwar für den Chef. "Aber der wird dasselbe sagen."

Enttäuscht will ich zurück zum Bus, da steht plötzlich ein Strauß am Zaun. Ganz still – als wisse er, dass er das einzige Tier ist, das ich hier zu Gesicht kriege. "Du bist ein teurer Strauß", seufze ich, "der Bus zurück kostet wieder 2,25 Euro." Dazu kommt das Mahl aus dem Supermarkt für 2,48. 6,98 Euro sind weg.

Vielleicht kann ich auf einem Boot anheuern, das Deck schrubben und dafür romantisch an der Küste entlangschippern? "Fragen Sie doch auf dem Partyboot", rät eine Frau, "das läuft gleich ein." Das Boot ist beladen mit Touristen. Die Musik dröhnt so laut, dass die Fische auf dem Meeresgrund vermutlich noch unfreiwillig mittanzen. Ich zögere. "Was steht denn die Olle da so dämlich am Ufer rum?", ruft einer der goldkettchengeschmückten Matrosen und deutet auf mich. Die Olle geht.

Drei von sieben Tagen sind um; nicht mal die Hälfte der Zeit. Dafür bin ich schon 15,65 Euro los. Bisher gleicht dieser Urlaub einer Kirche nicht weit von hier: Als die Seitenwände der Església Nova fertig waren, ging dem Erbauer das Geld aus. Jetzt stehen die Wände ohne Dach herum.

Der Hunger nach Unterhaltung ist mir mittlerweile vergangen, stattdessen will ich essen. Mehrere Tage Streichkäsetoast kurbeln zwar die Kreativität an: Man kann die Toastscheiben vierteln, in Dreiecke schneiden, zu einem Teigklumpen kneten, aufeinander pappen oder ein Logo in den Käse ritzen. Aber Kunst macht nicht satt. Die örtlichen Restaurantbesitzer finden meine Mithilfe in ihren Küchen leider entbehrlich. Meine Alternative: Mönche. Verzicht auf materielle Werte, Askese – wenn jemand dieses Urlaubskonzept versteht, dann Mönche. Die Eremiten der Ermita de Betlém sind meine letzte Hoffnung auf eine richtige Mahlzeit.