Reinhard Mohn: Lassen Sie mich gleich einmal etwas feststellen. Wenn jemand sagt, der Mohn habe seine Auffassung verändert, dann kann ich nur entgegnen: Ja, hoffentlich! Unsere Lebensbedingungen verlangen neue Antworten.

Die Zeit: Womit wir gleich beim Thema wären, Herr Mohn. Weil angestellte Manager Sie nach eigenen Worten "mehrfach enttäuschten", haben Sie die Rolle Ihrer Familie – das heißt derzeit vor allem Ihrer Frau – bei der Kontrolle von Bertelsmann gestärkt. Können Sie verstehen, dass Mitarbeiter des Unternehmens irritiert sind?

Mohn: Natürlich gab es Irritationen, aber auch Missverständnisse, die vielleicht nicht ganz aufgearbeitet wurden. Ich kann jetzt nicht jeder falschen Interpretation hinterherlaufen, aber ich bin überzeugt, dass Bertelsmann ein hervorragendes Management hat.

Zeit: Sie selbst haben in einem Beitrag für die Welt das starke Wort "Systemversagen" benutzt, auf das Sie reagiert hätten. Worin besteht das Versagen?

Mohn: Nicht jeder sieht sofort ein, dass sich Anständigkeit bezahlt macht. Viele Leute denken, wenn sie Ellenbogen und antiquierte hierarchische Methoden einsetzen, komme der Erfolg. Er kommt aber nicht. Gerade haben wir ein Systemversagen dieser Art bei der IG Metall gesehen.

Zeit: Und bei Bertelsmann?

Mohn: Wir versuchen im dauernden Dialog mit den Mitarbeitern ein Einvernehmen herzustellen. Mit gutem Willen können Sie Vereinbarungen treffen, wie wir es aktuell im Druckbetrieb getan haben. Dort wurde von Betriebsräten und Managern eine Lösung gefunden, um in den kommenden Jahren niemanden entlassen zu müssen. Man muss lernen, einander zuzuhören und neue Fakten zu berücksichtigen. Das geht bei uns bis in die unteren Ebenen. Ein Wirtschaftsunternehmen sollte die Gesellschaft mit guten Produkten oder Dienstleistungen versorgen. Und wir wollen, dass die Mitarbeiter das verstehen, wenn wir zum Beispiel sagen, die Leistung für die Gesellschaft ist oberstes Ziel. Untergeordnet sind die Ziele der Stakeholder.