Er war zwar BMW-Chef, doch aus seiner persönlichen Vita ist nur wenig überliefert. Joachim Milberg gibt sich eben als nüchterner Ingenieur. Er gilt als disziplinierter Managementsoldat, der trotz quälender Rückenschmerzen klaglos seinen Job erfüllt. "Ein Mann ohne Eigenschaften, aber mit den besten Tugenden", kommentierte die Woche damals seinen Dienstantritt. Ehemalige Kollegen schildern ihn als verschlossen. In seinem Büro standen Modellautos, die Fotos seiner Familie behielt er lieber in der Brieftasche.

Zu einem spontanen "Hallo, Joachim" verleitet er kaum. Vielmehr schilderte das manager magazin , wie er aktenbeladen in der Münchner BMW-Zentrale seinem Büro im obersten Stockwerk entgegenstrebte. "Guten Morgen, Herr Professor", grüßt ein Kollege. Milberg grüßt freundlich zurück. Diese Anrede, sinniert der Reporter, muss Milberg gefallen haben.

Dabei war "Herr Professor" eine Schmähung, als Milberg im Februar 1999 überraschend BMW-Vorstandsvorsitzender wurde. Sein Vorgänger Bernd Pischetsrieder musste gehen – er hatte mit dem Kauf von Rover horrende Verluste eingefahren. Entwicklungschef Wolfgang Reizle galt als der Nachfolger, doch er hatte durch Kritik am Unternehmenskurs das Vertrauen des Aufsichtsrats verspielt. Prompt titulierte die Wirtschaftspresse den neuen Chef Milberg als "Verlegenheitslösung" oder "spröden Professor".

Joachim Milberg sieht das gelassen. "Ein Professor, das war für viele jemand, der im Elfenbeinturm sitzt und vielleicht einmal eine gute Idee hat, aber von der realen Außenwelt nicht allzu viel weiß", sagt er. "Mein Bild des Wissenschaftlers war stets ein anderes: Ihn kennzeichnet zum einen die Neugierde, unbändige Lust auf das Unbekannte, die immer währende Suche. Zum anderen ist Wissenschaft nicht nur das Werk eines einsamen Forschers." Wissenschaftler müssten Netze knüpfen, Atmosphäre schaffen. Forschung verlange Miteinander und Zusammenarbeit. Deshalb seien für ihn "Management in der Forschung und in einem Wirtschaftsunternehmen nie Gegensätze gewesen".

Forschung = Innovation = Wachstum = Gerechtigkeit

Der Manager-Professor Milberg trat an, BMW zu sanieren. Er trennte sich vom Verlustbringer Rover, schwor die demotivierte Mannschaft auf die Kernkompetenzen der Firma ein und setzte auf Premiummodelle. Im Dezember 2001 kündigte er überraschend seinen Rücktritt an. Er verließ den Vorstand "aus gesundheitlichen Gründen" – der Rücken. Allerdings hätte er kaum einen besseren Zeitpunkt wählen können. Schrieb das Werk 1999 noch 2,5 Milliarden Euro Verlust, so glänzte es 2001 mit 1,87 Milliarden Euro Gewinn.

Nach BMW will Milberg nun offenbar die BRD sanieren, insbesondere deren verkorkstes Verhältnis zu Innovation und Technik. Das Klima hier, sagt er, sei zu pessimistisch, zu wenig innovationsfreudig. Schon der Begriff "Innovation" löse Angst vor dem Verlust von Vertrautem aus. Der Terminus "Wachstum" sei gar negativ besetzt. Milberg will den Klimawandel. Seine Formel ist ingenieurstypisch griffig: Nur Forschung und Entwicklung ermöglichen Innovation. Nur Innovation ermöglicht Wachstum. Nur Wachstum ermöglicht es, Dinge zu verteilen, soziale Gerechtigkeit zu gewährleisten.

Ist es wirklich so einfach?