Wir beschäftigen drei Anwälte aus Amerika", sagt Christian Michelon, "die anderen eine Truppe Engländer aus einer Kanzlei in Hongkong. Daran sehen Sie, wie hoch der Fall hängt."

Die philippinische Niederlassung des französischen Wasserunternehmens Ondeo, deren Präsident Michelon ist, liegt im achten Stock eines ozeangrünen Wolkenkratzers im Business-Viertel Ortigas. Rund um diese klimatisierten Büros wirkt die Megastadt Manila mit ihren 13 Millionen Einwohnern so geschäftstüchtig wie unwirklich: kein Gehupe und Geknatter bunt bemalter Blechbusse im ewigen Stau. Kein Gestank von Abgasen und in der Hitze verrottendem Müll. Kein Gewirr aus Stromleitungen, Werbeplakaten und abgeblätterten Betonbauten. Hier bewachen Uniformierte mit Feuerwaffen die Eingänge, machen globale Angestellte Pause im Starbucks-Coffee-Shop. Hier scheinen die täglich wachsenden Slums und Armenviertel weit weg, in denen die Kinder der Landflüchtigen wie vor Jahrhunderten in der Morgendämmerung schwere Eimer schmutzigen Wassers an Holzbalken über den Schultern zu ihren Hütten schleppen.

Hier diskutieren sie zurzeit heftig, was für Christian Michelon "der Fall" ist.

Der Fall wird in Manila vor einem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer verhandelt: Maynilad Water Services versus Metropolitan Waterworks and Sewerage System (MWSS).

Die staatliche Wasserbehörde MWSS beschuldigt das Unternehmen Maynilad – an dem Michelons Firma Ondeo, eine Tochter des Suez-Konzerns, beteiligt ist –, seine Konzessionärspflichten bei der Wasserversorgung von Manila nicht erfüllt zu haben. Maynilad wiederum fordert von dem verschuldeten Staat Kompensationszahlungen von vermutlich mehreren Millionen Dollar.

Es geht also um Geld, sehr viel Geld. Aber zugleich um nicht weniger als ein Menschenrecht, eine "Sache auf Leben und Tod", wie Ana Maria Nemenzo von der philippinischen Freedom from Debt Coalition sagt. Mindestens 1,1 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Kleinbauern wie Slumbewohner müssen täglich stundenlang ihr wichtigstes Lebensmittel herbeischaffen. Und oft ist es so verunreinigt, dass es ihre Gesundheit, ihr Leben bedroht.

"Gott schuf das Wasser, aber nicht die Rohre" lautet das Credo von Suez-Chef Gerard Mestrallet. Doch wer soll, wer kann den Armen den teuren Zugang zu sauberem Wasser verschaffen?

Der Staat? Oder kann man auf die in der Dritten Welt oft korrupten Behörden nicht hoffen?