Hätte man rechtzeitig auch dem guten alten West-Berlin eine Nostalgieshow gegönnt, dann wäre Otto Schwanz der Ehrengast der Wahl gewesen. Dafür ist es jetzt leider zu spät. Das langjährige Mitglied der Wilmersdorfer CDU, der Fahrkartenfälscher, Doppelkornschmuggler und berühmte Bordellbesitzer Otto Schwanz ist tot. Wer eine Abneigung gegen sprechende Namen hat, wird vielleicht um Schwanz nicht trauern wollen. Wohl aber, wer sich noch an den Antes-Skandal 1986 erinnert, als eine ganze Berliner CDU-Regierung über die erfolgreiche Bestechung durch den gewitzten Bordellier stürzte. Das waren noch Zeiten, als das Rotlichtmilieu der Hauptstadt fest in deutscher Hand war und die Zuhälter sich ihrer Freundschaft mit Politikern rühmten. Der Vorgänger von Schwanz wurde durch einen Hamburger Reeperbahnwirt mit einem Schlips erdrosselt. Schwanz hatte Ostkontakte, er war der Zuhälter der Entspannungspolitik. Und heute? Geschmuggelt wird von Vietnamesen. Russen haben die Nachtclubs übernommen, und das Verbrechen ist globalisiert. Mit Otto Schwanz wird ein Stück nationaler Verbrechenskultur zu Grabe getragen.